Bővebb ismertető
Weder die Seine in Paris noch der Tiber in Rom strömen so lieblich und reizvoll zwischen den Háusern und Kais dahin wie die Moldau in Prag. Dabei flieBt sie voll Würde und Ernst an ihren Inseln vorbei, die Kampa und den Laurenziberg entlang, stürzt rauschend über die Wehre und beruhigt sich alsbald unter den Fenstern der Kleinseite und des Hradschin, die - obgleich stets unverándert - ihre Lichter und Farben wechseln.Doch wie schade, dali Habgier und schmerzvolles Unverstánd-nis so viel an ihren Ufern verdorben habén. Warum wurden nicht zumindest Teile der Kais unverbaut belassen - für Kinder, Blu-men und Mádchen, für alle, die es lieben, durch die eisernen Gelánder zu schauen, wie Wasser und Zeit vorüberflieBen. Warum mul3te in vergangenen Jahren Stück um Stück der seltsam fremdartigen Schönheit des Altén jüdischen Friedhofs daran glauben, und warum wurde im Laufe der Zeit die ganze ehemalige Judenstadt demoliert und an ihrer Stelle Háuser errichtet, die uns heute so miBfallen? Welch wunderbaren Anblick böten uns und aller Welt heute die gotischen Giebel der Altstadt, die hier ausgebreitet lag und an ein anderes altes Viertel, Na Frantisku genannt, grenzte, das viel ármer und proletarischer war und sich in die Faltén der Ordenstracht der Seligen Ágnes kuschelte.Das ist vorüber und vorbei. Trotz vieler zerstörender Eingriffe ist Prag eine der schönsten Stádte geblieben, und um die ihr dargebrachte Achtung und Liebe des ganzen Volkes könnte sie so manche gröBere und reichere Stadt beneiden.Wir stehen beim Smetana-Museum, vor uns die Karlsbrücke, die den FluBlauf gleichsam überschreitet. Auf ihren mit weiBem Schaum besprühten Wehren sitzen Möwen. Wenn wir von hier aus auf das gegenüberliegende Ufer blicken, sprechen wir die Worte des Dichters nach: Prag, die wunderschöne Stadt, besitzt einen bangen, düsteren Zauber, dunkle, archaische, verhaltene und beklemmende Stimmungen; eine tiefe, gedámpfte Trauer, verblichene und versprengte Farben und Düfte - dies sind die