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Die Fotografie Februar 1957. [antikvár]

Bruno Urban, Carola Abel, Kurt Hartmann

 
KARL SUTTKRLIN MAGDEBURG Der Fettfarbenumdruck, ein Chromatverfahren der Fotografie Die Chromatverfahren der Fotografie sind entstanden aus dem Wunsche der Fotografen, ein Ausdrucksmittel in die Hände zu bekommen, das individuelle Eingriffe zuläßt und dadurch eine subjektive Veränderung des Bildes ermöglicht. Sie erreichten etwa um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit sah man auf fotografischen Ausstellungen fast ausnahmslos Bilder in den Chromatverfahren hergestellt. Die Fotografen versuchten damals, ihre Bilder...
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KARL SUTTKRLIN MAGDEBURG Der Fettfarbenumdruck, ein Chromatverfahren der Fotografie Die Chromatverfahren der Fotografie sind entstanden aus dem Wunsche der Fotografen, ein Ausdrucksmittel in die Hände zu bekommen, das individuelle Eingriffe zuläßt und dadurch eine subjektive Veränderung des Bildes ermöglicht. Sie erreichten etwa um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit sah man auf fotografischen Ausstellungen fast ausnahmslos Bilder in den Chromatverfahren hergestellt. Die Fotografen versuchten damals, ihre Bilder malerisch zu gestalten, zu abstrahieren und dazu waren die Chromatverfahren sehr geeignet. Leider verstanden aber nicht alle Ausübenden mit den Verfahren sinnvoll zu arbeiten und es entstanden Bilder von zweifelhaftem Wert. Mit dem Beginn der Periode der „Neuen Sachlichkeit" in der Fotografie verloren die Verfahren an Bedeutung, ja man lehnte sie ganz ab. Aber sind sie nun wirklich ganz abzulehnen, bieten sie dem fotografischen Schaffen keine Vorteile mehr, kann man die Leistungen in der Fotografie durch sie nicht mehr steigern? Vielleicht übersieht man heute, daß es in der Fotografie nicht nur die dokumentarische und die Reportage-Fotografie gibt, sondern daß das Lichtbild als „künstlerisches Ausdrucksmittel" sehr wohl eine Steigerung durch die Anwendung der Verfahren erfahren kann. Ich persönlich halte sie nach wie vor für existenzberechtigt in der Fotografie. Selbstverständlich kann und soll ihre Anwendung nicht in der alten, überlieferten Form erfolgen, was eine Reformierung der Verfahren erforderlich machte. Hatten sich früher Amateure und Fachleute in edlem Wettstreit um die Verfahren bemüht, so finden wir heute wohl nur noch wenige bei der Ausübung der Verfahren. Einer davon war der Altmeister in der Fotografie, der heute noch sehr rüstige, 81jährige Johann Graf, Magdeburg. Er reformierte und verbesserte die Verfahren und paßte sie den Gegebenheiten in der heutigen Fotografie an, d. h. er verfiel nicht in den Fehler, mit den Verfahren etwa in der Fotografie eine Nachahmung der Malerei anzustreben, wie es einst die alten Fotografen machten, sondern eine Verbesserung sah Johann Graf vor allem darin, die Schwäche der fotografischen Silberbilder, bestehend aus der mangelhaften Wiedergabe der Lichter und Schatten im Verhältnis zur Differenzierung in den Mitteltönen, durch Anwendung der Tontrennung zu vermeiden, dabei aber eine absolut scharfe Wiedergabe des Budes zu bekommen. Bedeutet dieser Gedanke an sich schon eine Steigerung in der qualitativen Wiedergabe eines Bildes, so kommt noch dazu, daß der Ausübende die Möglichkeit hat, auch in gestalterischer Hinsicht die Bildaussage durch Anwendung bestimmter Farbtöne zu steigern. Besonders erwähnt werden muß dabei noch, daß edelste Oberfläche und größte Lebensdauer die Eigenart der Chromatverfahren sind, denn sie bestehen nur aus edlen Papieren und Pigmenten, ganz gleich, welches Verfahren man anwendet. Darüber hinaus gelang es aber Johann Graf, ein neues Verfahren mit Chromatsalzen zu entwickeln, das er selbst als Fettfarbenumdruck bezeichnete. In der Nr. 8, 1956, der „Fotografie" wurde ein farbiges Papierbild, von ihm selbst in Fettfarbenumdruck ausgeführt, gezeigt, und Dr. Otto Watter erwähnt in seinem Buch „Die Farbenfoto-Praxis" ebenfalls das Verfahren. Die Redaktion der „Fotografie" erhielt durch die Veröffentlichung des Bildes von Graf Zuschriften von ihren Lesern mit der Aufforderung, Näheres über die Verfahren zu bringen. Da Ich selbst fast ein Menschenalter mit Johann Graf zusammen arbeitete und heute mit meinen Studenten das Verfahren ausübe, wurde ich aufgefordert, diesen Artikel zu übernehmen. Ich tue es für meinen Lehrer Johann Graf und für alle, die vielleicht gleicher Meinung mit uns sind über Wert und Unwert der Edeldruck-verfahren, bin mir aber dabei auch klar, evtl. auf Widerspruch zu stoßen und in eine Diskussion darüber eintreten zu müssen. Uber die Anwendungsgebiete des Fettfarben-umdruckverfahrens möchte ich folgendes sagen: Im Fettfarbenumdruck erzielt man dem Original täuschend ähnliche Wiedergaben von künstlerischen Holzschnitten, Federzeichnungen, Bleistift- oder Kreidezeichnungen. Ferner entstehen durch ihn hochwertige, edle und fast unvergängliche Bilder in der bildmäßigen und gestaltenden Fotografie. Man kann ihn mit einem Bromsilberbild in der Werbefotografle kombinleren, durch Anbringung eines farbigen Umdruckes auf das schwarze Silberbild oder eine Werbeaufnahme in zwei Farben herstellen. Es lassen sich mit ihm farbige, fotografisch hergestellte Ornamente für Untergründe herstellen. Farbenfotograflsch erzielt man mit ihm, nach gründlicher Übung, positive Aufsichtbilder von hoher Qualität. Die Möglichkeiten sind damit aber noch nicht erschöpft. Die nächste Frage, die jeden interessiert: Was benötigt man zur Herstellung eines solchen Druckes an Einrichtung und Material? Es sind in beiden Fällen nur verhältnismäßig geringe Anschaffungen notwendig. Zur Einrichtung gehört: Eine kleine Umdruck-presse, wie wir sie zum Abziehen einer Radierung benutzen, oder eine kleine Buchdruckhandpresse, wie sie in den Klischeeanstalten benutzt werden. Für kleine Formate kann man auch eine Hauswäschemangel oder eine Satiniermaschine der Fotografie benutzen. Zwischen zwei ebene Bretter legt man zwei Pappen, einen Filz und einen abgewaschenen größeren Film. Auf eine Pappe kommt das Papier zum Abdrucken zu liegen, darauf die Druckmatrize, auf deren Rückseite der Film, darüber der Filz, und zum Schluß legt man noch die zweite Pappe darauf. Das Ganze schickt man dann, bei mäßigem Druck, durch die Walzen der Maschine oder drückt von oben auf die Packlage, wenn man eine Tiegelpresse benutzt. Soviel über die Presse, die dabei das größte Problem darstellt. Weiter braucht man einen derben Kopierrahmen, für größere Formate einen pneumatischen Rahmen. Zur Herstellung der Matrize wird eine Lichtquelle benötigt, die kurzwelliges Licht abstrahlt, z. B. eine kleine Bogenlampe, wie wir sie noch von den alten Satrap Heimlampen her kennen. Einfacher ist die Anschaffung einer Quecksilberdampfglühlampe, wie man sie beim Lichtpausen benutzt. Zum Anreiben der Farben gehören ein kleiner Spachtel und ein alter Lithographiestein oder eine dicke Glasscheibe. Auf ein Zeichenbrett montiert man sich eine Milchglasscheibe, auf welcher man die Matrize einwalzt. Zum Walzen eignen sich Buchdruckhandwalzen oder andere Gummiwalzen, wie man sie zum Aufquetschen von Fotokopien benutzt. Ein Lederlappen und ein Viskoseschwamm dienen dazu, die Matritze vom Feuchtmittel zu befreien. Zum Schluß braucht man noch eine Lochvorrichtung für das Einpassen der Matrizen beim mehrmaligen Umdrucken. Man bastelt sich eine solche selbst und nimmt als Vorlage dazu einen Bürolochapparat. Zum Einpassen montiert man sich auf ein Brett einige Zapfen aus Metall, die mit den Löchern übereinstimmen müssen. Genau betrachtet sind es nur geringe Unkosten, die dabei entstehen. Die Materialunkosten sind denkbar klein. Als Filmfolie zur Matrize nimmt man einen aus-fixierten, alten fototechnischen B-Film oder Röntgenfilm. Die Gelatineschicht darf dabei keinerlei Härtung erfahren. Als Drudefarben nimmt man Buchdruck- oder Kupferdruckfarben für Handpressendruck. Zum Verdünnen der Farben gehört etwas Leinölfirnis. Die Llcht-empfindlichmachung der Folie geschieht mit einer Lösung von Ammonlumbichromat in Wasser und Alkohol, rein oder Aceton, welches also zu beschaffen wäre. Wenn man die Lösung aufspritzen muß, wie es beim Halbtonfett-farbenumdruck erforderlich wird, so kann man das mit einer kleinen Spritzpistole und Druckluft oder komprimierter Kohlensäure bewerkstelligen. Eine Atemschutzmaske ist dazu eine Notwendigkeit. Als Drudepapiere eignen sich alle gut geleimten Papiere nach Art unserer Zeichenpapiere. Die Technik des F e 1t f a r b e n u m d r u c k e s Allgemeines Die Chromatverfahren beruhen auf der Eigenart der chromsauren Salze, organische Substanzen, denen sie beigegeben werden, zu gerben oder zu härten bzw. ihre Wasserlöslichkeit oder Quellfähigkeit aufzuheben. Beim Fettfarbenumdruck wird die chromierte Gelatineschicht beim Belichten analog der Lichtdurchlässigkeit des Negatives gehärtet und verliert dadurch ihre Quellfähigkeit. Legt man die Kopie nach dem Belichten in ein Feuchtmittel, so nimmt die Gelatineschicht Feuchtigkeit auf nach Maßgabe der durch das Negativ erfolgten Härtung. Die vollständig gehärteten Teile der Schicht bleiben in der Feuchtung trocken, die nicht gehärteten Teile der Schicht saugen sich dagegen voll Feuchtigkeit. Das besagt, daß die trockenen Teile der Schicht, wenn man die Matrize mit einer Fettfarbe einwalzt, wUlig diese Fettfarbe annehmen, die feuchten Teile diese aber abstoßen. Halbtrockene Teile lassen mehr oder weniger Farbe auf der Schicht zurück, so daß man zu einer ausgezeichneten Halbtonskala kommt. Durch das Walzen entstehen schöne zusammenhängende Halbtöne, ganz Im Gegensatz stehend zu den alten Um-druckverfahren, welche mit einem Pinsel eingefärbt wurden und eine starke Zerrissenheit in den Halbtönen zeigten. Die Matrize gibt beim Umdruck dann die Farbe an das Papier ab. Die Herstellung der Matrize Zur Herstellung einer Druckmatrize benötigt man ein Negativ In der Größe wie der Umdruck werden soll. Die Kopie kann nur im Kontakt hergestellt werden, nicht auf dem Wege der Vergrößerung in einem der üblichen Vergrößerungsgeräte, weil die Lichtempftnd-llchkelt der Chromsalze verhältnismäßig gering Ist. Auf dem Wege der Zwischenvergrößerung Uber ein Diapositiv kommt man schnell und leicht zu einem entsprechenden Negativ. Es besteht dabei noch die Möglichkeit, das Negativ In seiner Gradation zu verbessern. Als Material eignen sich dazu am besten die technischen ABC-Filme der AGFA und für Strichaufnahmen der Printonfllm derselben Firma. Die Strichnegative müssen absolute Deckung bei klaren Bildteilen zeigen. Die Halbtonnegative müssen gut gedeckt sein und in den Lichtern und Schatten schöne Trennung aufweisen. Man kann auf dem Wege der mechanischen oder manuellen Retuschetechnik Ihnen den letzten Schliff geben. Die fertiggestellten Negative umklebt man unmittelbar um das eigentliche Bild mit einem Streifen von schwarzem Papier, damit die Matrize an diesen Stellen kein Licht bekommt, dadurch quellfähig bleibt und beim Einwalzen keine Farbe annimmt. Das Negativ muß in einem Kopierrahmen eng mit der Matrize in Kontakt gebracht werden, damit die höchste Bildschärfe zustande kommt. Bei größeren Formaten Ist ein pneumatischer Kopierrahmen notwendig. Das Negativ muß bei der Herstellung seitenrichtig stehen, damit die Matrizenkopie seitenverkehrt wird und der Umdruck wieder seitenrichtig steht. Die Sensibilisierung der Matrize 55

Termékadatok

Cím: Die Fotografie Februar 1957. [antikvár]
Szerző: Bruno Urban , Carola Abel Kurt Hartmann
Kiadó: VEB Wilhelm Knapp Verlag
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 220 mm x 300 mm
Bruno Urban művei
Carola Abel művei
Kurt Hartmann művei
Bolti készlet  
Vélemény:
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