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Geleitwort
Eine ständig wachsende Zahl von Menschen beobachtet heute sportliche Höchstleistungen im Reitsport Die Spitzenereignisse im Springen, in der Dressur und die großen Rennen der Galopper und der Traber trägt das Femsehen bis in die letzte Stube. Viel rtiehr scharf und kritisch beobachtende Menschen sehen zu als früher, und viele von ihnen entwickeln dabei ein Geßhlfür das Zusammenwirken von Reiter und fferd, ohne je im Sattel gesessen zu haben.
Die meisten Zuschauer sind wohl in erster Linie gefesselt von der Sensation eines Wettkampfes, der beim Reiten über Hindemisse auch geföhrlich und unfallträchtig ist. Doch ebensosehr sind viele sicher fasziniert von der Schönheit des Bildes, der Bewegung, der Kraft und Anmut und der scheinbaren Leichtigkeit und Eleganz, mit der die großen Könner in diesem Sport schwere Aufgaben meistem.
Und da ist noch etwas Geheimnisvolles, das sie nicht erklären können, nur unausgesprochen fühlen: Daß ein so großes, starkes, stolzes und oftmals wildes Wesen wie das Tferd sich dem Menschen so vollkommen unterwirft, daß es alle seine Kräfte, manchmal bis zur Selbstaufgabe, in dessen Dienst stellt Und immer wieder ist dabei auch etwas von dem Urwesen des Iferdes zu spüren, das auch unter dem Sattel des Reiters erkennbar bleibt: der Freiheitsdurst des schweifenden Steppentieres, der in der Bewegung und in der Schnelligkeit des Laufes seine Bestätigung findet.
In seltenen Augenblicken nur erlangen Mensch und Iferd gemeinsam den vollkommenen Zusammenklang von Willen und Körper zu zentaurischer Einheit. Und dann ist es nicht der berechnende Verstand des Menschen, der diese Einheit schafft. Das Aufgehen im Gefühl des instinktgefesselten Tieres führt den Reiter über die Grenze hinaus, die von der Natur zwischen Mensch und Tier gezogen ist. Man könnte aber sagen, daß in solch seltenen Augenblicken das Fferd unter dem Reiterfrei sei wie in seiner Urheimat, der Herde. Es folgt einem Willen, der sich ohne Zwang überträgt, so wie es dem gemeinsamen Willen in der Herde der Artgenossen
bedingungslos folgt. Freilich, solche Augenblicke sind selten, auch bei den Meistem im Sattel Zu sehr ist menschliches Handeln vom Denken diktiert, zu ausgeklügelt auch das immer perfekter werdende Arsenal der Mittel zur Beherrschung, zur Unterwerfung des Tieres - heutzutage schon bis hin zur chemischen, medizinischen Beeinflussung.
Je mehr Menschen von diesen Techniken und Praktiken erfahren, um so mehr wird die Freude der Unbeteiligten am Leistungssport zu Ff erde leiden, wenn nicht strenge Aufsicht, Kontrolle, aber auch die Einsicht der Beteiligten zurückführt zum natürlichen Verhältnis zwischen Reiter und Pferdl Denn der Wunsch, von der Freiheit dieses Tieres, von seinem noblen Sinn, von seinem Stolz auch unter der Herrschaft des Menschen noch etwas zu spüren, ist ein wesentlicher Bestandteil der Freude, die Menschen an Iferden haben.
Vielleicht befinden wir uns auf dem Wege zu einer Renaissance unserer Beziehungen zur Natur. So wie das Verständnis für den Schutz unserer Umwelt zu wachsen scheint, so wie wir langsam beginnen, der technischen Zerstörung der natürlichen Welt Einhalt zu gebieten, so könnten wir auch der technischen Versklavung eines Geschöpfes wehren, das die Menschen seit Jahrtausenden begleitet und das ihnen über Jahrhunderte hinweg vieles geleistet hat, was später die industrielle Technik übernahm.
Schon einmal gab es eine wesentliche Wende im Verhältnis der Menschen zu ihren If erden, als der große Reitmeister François de la Gueriniere die Reittiere von den Marterwerkzeugen des Mittelalters erlöste, von den riesigen Hebelgebissen und den langen Sporenspießen. Er lehrte, daß man der natürlichen Bewegungsweise der Ff erde möglichst nahekommen müsse und daß dies Einfühlung und möglichst wenig Zwang voraussetze. Er lehnte die mechanischen Zwangsmittel ab, die das Iferd seiner natürlichen Bewegungsmöglichkeiten beraubten. Sein wichtigster Hinweis aber zieht sich durch alle Reitlehren, die Bestand hatten, seit der Grieche Xenophon um 400 v. Chn die ersten bis auf den heutigen Tag gültigen Grundsätze niederschrieb: die Beobachtung des fferdes in Freiheit, das Studium seiner Bewegungen ohne Einfluß