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Leipzig, 6. Januar 1906.83. Jahrgang,Bunt Durclieinauder.Plaudereien über Dies und Jenes aus der Postwertzeichenkunde. I.ind das aber diesmal viel Feiertage hintereinander gewesen am Jahres-schluss und Jahresanfang nicht weniger als sechs innerhalb des kurzen Zeitraums von vierzehn Tagén! Aber wir im hellen Sachsenlande habén noch einen siebenten, das Hoheneujahr, das bei uns noch kirehlich gefeiert wird. W&hrend du, lieber Leser, der du nicht in Sachsen wohnst, daher heute wahrscheinlich sehon im Schweisse deines Angesiebts arbeitest, feiern wir in Leipzig und tun uns naeh Vermögen bene.Doeh der heutige Hoheneujahrstag, an dem die erste Nummer unserer Faehzeitung im neuen Jahre Tausenden ihrer Leser zu Handen kommt, erinnert uns daran, dass ihm der Neujahrstag vorangegangen und dass es an ihm gebráuchlich ist, sich fiirs neue Jahr zu beglückwünsehen. So wünschen denn auch wir unsern Lesern, beides, den dem Illustrierten Briefmarken-Journal" treu gebliebenen sowie den neu hinzugetretenen, ein in .jeder Beziebung gesegnetes neues Jahr.Doeh wir müssten keine Philatelisten sein, wenn bei unseren Wünschen nicht der philate-listische Gesichtspunkt in erster Linie in Frage kommen sollte. Daher wünschen wir vor allém ein gutes philatelistisches Jahr. Dass der Leser auch 1906 seine Freude an seiner Samm-lung habe und dass sie ihm eine stete Quelle geistiger Erholung und Anregung bleibe, das enthált dieser Wunsch. Dass ihm das neue Jahr einige weitere hübsche Markenreihen besehere aber ja nicht zu viele! und dass es ihn mög-lichst verscbone mit unnötigen Aufdruck und überflüssigen Spekulationsmarken, das gehört auch mit dazu. Und wenn der Kampf gegen Sehwindler und Falscher bis zur Vernichtungbeider Scbmarotzergattungen gefiihrt werden könnte, alsó, dass es am Schlusse des Jabres nur noch philatelistische Engel gabe, das würde dem guten philatelistischen Jahre die Krone aufsetzen.Nur gut, dass das Wünschen biliig wie Brom-beeren ist, wie man so zu sagen pflegt! Aber wem man von Herzen zugetan ist, dem wünseht man alles mögliche Gute und möehte auch das Unmöglicbe möglich machen. Und verbindet uns Sammler und Sammlerinnen denn nieht ein gemeinsames Band, das Band der Philatelie, unserer Liebhaberei? So gleiehen wir in diesem Sinne einer grossen, die Erde umspannenden Familie, deren Glieder sich alles mögliche Gute wünschen müssen.Doeh steigen wir nunmehr aus der idealen Welt des Wunsches herab in die Nüchternheit des irdischen philatelistischen Geschehens und sehen wir zu, was es für diesmal zu berich-ten gibt.Es wurde uns kürzlich ein Ausschnitt der Kölnischen Volkszeitung zugeschickt, worin wir eine langere Abhandlung über die ostafrika-nische Wahrung fanden. Sie ist so anziehend geschrieben, dass wir sie im nachstehenden voll-standig wiedergeben wollen.Die Kolonialbureaukratie hat schon manches Musterstück geleistet. Die für die Schwarzen vorgeschriebenen Jagdscbeine auf Rhinozerosse, Panther und Löwen sind aber noch nicht das schlimmste. Deutsch-Ostafrika hat vom 1. April 1905 ab eine eigene Wahrung erhalten. Die Hamburger Kaufleute vertraten zuerst den einzig richtigen Standpunkt, einfach die Reichswahrung einzuführen, wie in allén anderen Kolonien, mit der leicht erklarlichen Ausnahme von Kiautschou. Aber man brachte endlieh auch die Mehrzahl der Hamburger Kaufleute dazu, sich mit der neuen Wahrung einverstanden zu erklaren, und nun erfolgte die Kaiserliche Yerordnung, gegen deren Inhalt ein Zentrumsabgeordneter am 18. Marz 1905 protestierte.