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IM ZAUBER DES LICHTS
Ein Geleitwort von Dr. Walther Heering
Dieses Bildwerk, das die Fotografie nach dem Stande von 1940 repräsentieren will, verdankt sein Bildmaterial hauptsächlich den etwa 35000 Fotos des Internationalen Rollei-Preisausschreibens 1939. Unter seinen Preisrichtern schrieb der Dichter Manfred Hausmann am 31. Januar 1940 in das Gästebuch der Firma Franke Heidecke in Braunschweig:
Das schönste Bild, das zauberischste Wort Spinnt immer nur die Rätselfrage fort: Die Welt, in der ich wie im Traume bin, Wo kommt sie her, wo leitet sie sich hin?
In der Tat dürfen wir, die wir dem Zauber des LichtbUdes verhaftet sind, am Beginn einer nicht alltäglichen BUdschau und im Zusammenhang mit ihr ein wenig über diese Rätselfrage nachdenken und die Fotografie einmal in weitem Abstand vom Fachlichen betrachten.
„Die Welt, in der ich wie im Traume bin . — was ist diese so vielfältig empfundene und gedeutete Welt mit dem Zauber ihres Lichts und ihrer Farben ? Letzten Endes eiae Einbüdung, eine Illusion, — sagen die Physiker. Ein Chaos imzählbarer elektrischer Schwingungen, von denen wir nur einen winzigen Teü wahrnehmen können. Denn aus diesen tausend Schwingungen, die die Welt sind, vermittelt uns das Umschaltwerk unserer Sinne nur eine Auslese von fünf Gruppen, umgeformt in Licht, Schall, Geruch, Geschmack, Gefühl, organisiert und geleitet von der Zentrale Gehirn. Die Welt „an sich", die Welt „da draußen" läuft licht- und lautlos ab, Licht und Laut sind nur in unseren Menschenhimen. Wir wissen nicht, was Licht ist, wir erleben die Welt nicht unmittelbar so, wie sie „ist", sondern nur in unserem Bewußtsein, in Symbolen unserer Sinne. Und anders konstruierte Lebewesen mögen sich andere TeUausschnitte, andere Formen und damit andere Welten bauen.
Wir reduzieren und ordnen also die verwirrenden Zeichen eines endlos-unbegreiflichen, gigantischen Alls und bauen daraus in unseren Symbolen unsere kleine Menschenwelt. Und damit sind wir die Schöpfer imserer Erdenwelt, während vielleicht größere Welten nah und fern „ungesichtet" an uns vorüberziehen.
Von hier aus schaffen uns die Physiker eine Grundlage unserer Erkenntnis und gehen mit Erfahrung, Hypothese und Wissenschaft an jede Tatsache und an das ganze Weltgefiige heran. Die Materie wird zergliedert und „erklärt". Was man ohnehin weiß, kann man noch genauer wissen, aber vieles Unbekannte bleibt unbekannt. Exakte Rechner und Tatsachenmenschen bauten das imposante Reich der Technik.