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Katzen - das bißchen Freiheit als Partner
Da sitzt sie und schaut mich an. Mit klaren Smaragdaugen, eisig, unbeweglich und unlesbar. Sie schaut durch mich hindurch - auf einen Punkt hinter mir - und blinzelt nie. Grundposition Katzengöttin. Sie erhebt sich, springt auf meinen angewinkelten Oberschenkel, streckt sich zur Sphinx, akupunktiert mich mit acht Krallen. Verliert langsam die Form, zerschmilzt im Schoß zum weichen Fellwesen, das sanft vibriert und schnurrt, schnurrt: Die Katze, das Schmusetier.
Dann wird sie zum perfekten Jäger, fließt gleichsam durch das Gras, jeder Muskel gespannt, jeder Sinn wach: die Katze als Wiesentiger. Oder sie produziert sich, steifbeinig hoppelnd, auf Pfosten rasend, um kurz zu rasten, rauf und runter. Sie tanzt den Katzentatzentanz: Akrobat schööön. Die Katze, die bei mir wohnt, heißt »Kitten«, ist eine getigerte Bauemkatze mit viel Weiß, nicht hübsch, aber überzeugend. Sie geht brav mit zwei Bassethounds spazieren und mit einem roten Kater in ihre freie Welt: auf die Pfade der Geräusche, der Mäuse, der Käfer, der Ich-weiß-nicht-was-Katzenwelt. So stellte ich Kitten und mit ihr vielen anderen Seidenpfoten, Sanftpfoten die Frage: »Was seid ihr, ihr Katzen?« Eine Frage, die vor mir schon Dichter und Philosophen, Wissenschaftler und Maler, Katzenfreunde und Fanatiker gesteUt haben. Warum sind Katzen als Haustiere so erfolg-
reich geworden? Treten wir ein in das Zeitalter der Katze? Warum ist endlich die Bundesrepublik auch ein Katzen-Normal-Land, wie es vorher seit rund 100 Jahren schon England, Frankreich, die USA, Dänemark und die Niederlande waren? Wo man mit einer oder mehreren Katzen leben konnte, ohne zu einer Minderheit von Sonderlingen gezählt zu werden. Wir finden den Anschluß: Während in England und den Niederlanden auf 100 Einwohner 10 Katzen kommen, sind es in Frankreich 13, in Dänemark sogar 16. Bei uns sind es inzwischen immerhin 6. Und die Katzenliebe wächst. Warum? Die Erklärungen, daß • Katzen steuerfrei sind
• sie nicht Gassi gehen müssen und dabei die Straßen verschmutzen
• sie nicht bellen und man sie meist geschenkt bekommt und sie auch schon einmal übers Wochenende allein lassen kann, sind mir zu oberflächlich. Ebenso die Anmerkung: Katze ist ein bequemer Ansprechpartner für Singles, die nicht so angebunden sein wollen, wie sie es mit einem Hund wären.
Ich glaube, daß Katze und Hund keine Haustier-Alternativen sind. Entweder hat man einen Hund oder eine Katze hat einen Menschen. Leute, die Katzen und Hunde haben, halten meist auch noch andere Tiere. Sie können fast immer Haus, Hof und Garten aufweisen, gepachtete Wiese nicht ausgeschlossen. Sie sind Menschen besonderer Art. Der englische Tierarzt und Verhaltensforscher Dr. Michael W.Fox hält Heimtiere in ihrer Anhänglichkeit für die einzige verläßliche Zuflucht in einer unsteten, heuchlerischen und mitleidlosen Umweh: »Der Mensch hat in der Zivilisation seine Unabhängigkeit verioren. Er ist Gefangener der Konformität. In den Zwängen der Anpassung aber ist die Katze ein Stückchen Freiheit.« Ich habe diese Aussage als Überschrift für die Einleitung meines Buches gewählt, weil ich sie für wichtig halte. Schlüssig aber finde ich die Vermutung, die der Journalist und Katzenfreak Nick Barkow in einem Artikel in der »ZEIT« äußerte. Er betrachtet die