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Zimmerpflanzen gestern und heute
Heute gehören Pflanzen zu unserer Wohnung wie Möbel, Teppiche und Lampen. Und selbst in Werkhallen und Büros, in Kaufhäusern und Schulen bringen sie uns ein Stück Natur nahe, beleben unsere unmittelbare Umgebung und tragen zu unserem Wohlbefinden bei. Topfpflanzen umgeben uns auch mit einem Hauch des Exotischen, des Fremden, in der heimischen Natur nicht Anzutreffenden. Denken wir nur an die seltsamen Blüten einer Passions- oder Flamingoblume, an die wunderbare, oft bizarre Form mancher Kakteen oder vieler Sukkulenten.
Alle diese Gewächse brauchen natürlich unsere besondere Pflege, sie gedeihen nicht von selbst, wie die heimischen Pflanzen in Wald und Flur. Zimmerblumen sind Lebewesen, «Hauspflanzen» gewissermaßen, die wir hegen müssen, wenn wir Freude an ihnen haben wollen.
Noch vor 200 bis 300 Jahren hätte man allerdings die meisten unserer heutigen Zimmerpflanzen vergeblich gesucht. Damals waren erst sehr wenige, meist aus dem Mittelmeerraum stammende Arten verbreitet, wie Rosmarin, Aloe und Myrte oder die große Agave. Seit dem 15. Jahrhundert zog man auch die Gartennelke als Topfpflanze, den sehr beliebten «Nägelistock», der im Sommer am Fenster jeder Bauern- oder Bürgerstube blühte. Und damit die «Näglein» leuchtende, bunte Farben bekommen, müsse man sie säen, wenn der Regenbogen am Himmel steht. Sollen aber gefüllte Nelken wachsen, ist die Saat bei Vollmond in die Erde zu bringen, sagte eine alte Regel. Auch andere Blumen, die heute ausschließlich im Freiland wachsen, wie der Goldlack, blühten lange Zeit in Töpfen, ehe man von ihrer Winterfestigkeit überzeugt war.
Die Entdeckungsreisenden im 17. und 18. Jahrhundert brachten zwar zahlreiche heute noch beliebte Pflanzen aus Afrika, Asien und Amerika mit, doch kamen sie nur in die Orangerien der Schloßgärten, in botanische Gärten, die damals überall entstanden, oder wurden von begüterten Liebhabern und Sammlern gekauft; denn ihre Preise waren für die mei'Sten unerschwinglich. Als bereits