Bővebb ismertető
Es ist unglaublich, lieber Leser, wieviele Fehler andere Schachspieler - für uns selbst gilt das natürlich nicht - sogar in groBen Turnieren begehen. Selbst bekannte internationale Meister, angesehene GroBmeister und Weltmeister machen da keine Ausnahme. Ich kann dich, lieber Leser, aber beruhigen: es geht hierbei keienswegs nur um Fehler: Wir sind alle Opfer eines bislang unbekannten Bazillus ( bacilli scachistica ), der plötzlich und heimtückisch seine ahnungslosen Opfer befallt. Es ist die Schachblindheit, lieber Freund, eine verheerende Krankheit, die amaurosis scachistica perniciosa, die Dr. Tarrasch vor beinahe einem Jahrhundert diagnostiziert hat, die aber auch heutzutage noch öfters anzutreffen ist. Diese Krankheit tritt ohne jegliche Vorzeichen auf. Man spielt in aller Ruhe, hat eine herrliche Stellung, und anstatt sich mit dem Schlagen eines ungedeckten Bauern zu begnügen, will man besonders schön auf Matt spielen und stellt die Dame ein, die sich der Gegner natürlich sofort einverleibt. Diese Krankheit tritt glücklicherweise nur sporadisch auf, obwohl man seit langem weiB, daB sie ansteckend ist. Denen, die von ihr chronisch befallen worden sind ( amaurosis scachsitica cronica inprudentis ) kann man in der Regei, vor allém wenn esáltere Spieler sind, nicht mehr helfen. Diese Spieler wissen von ihrer Krankheit meistens nichts, wáhrend ihre Umgebung sie aus Mitleid verschweigt. Jungen Spielern dagegen kann bei entsprechender Behandlung, die man aus unbekannten Gründen Training nennt, noch geholfen werden. Gibt es alsó überhaupt Hoffnung dieser Krankheit zu entgehen? Selbsverstánslich! Vorbeugung ist auch hier, wie bei den meisten Krankheiten, das beste Gegenmittel. Die systematische Prüfung begangener Fehler lehrt uns, wie wir sie künftig vermeiden können. Aber dabei gibt es ein kleines Problem: man spricht über die eigenen Fehler, so nützlich dies auch sein mag, nur höchst ungern, und versucht sie lieber so schnell wie möglich zu vergessen. Aber über die Fehler der anderen Spieler zu sprechen bereitet auBerordentliche Freude (selbstverstandlich keine Schadenfreude ). Dabei geht es aber auch um etwas anderes. Ein Fehler wird erst dann wirklich gefáhrlich, wenn ihn der Gegner auch entsprechend ausnützt. Sonst kann man von ihm manchmal sogar profitieren. Die Schachblindheit tritt sehr selten in ihrer einfachsten Form auf, etwa daB der Gegner eine Figur einstellt. Meist ist der Fehler verborgen und nur mit Anstrengung aufzufinden. Versáumt man dies, so hat man es mit beidseitiger Schachblindheit zu tun. Die Partié wird dann, von Kiebitzen beláchelt, fortgesetzt, ohne dafi sich absehen laBt, wie sie enden wird. Alsó, "fortina lente", beeile dich langsam und versáume die náchste Gelegenheit nicht.