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Volkskunst, die bescheidene und gerade darum so liebenswerte Blüte, gewachsen aus schöpferischem Handwerk, farbenfreudiger Hauskunst, verspielter Feierabendtatigkeit und passionierter Bastelei, hat in ihrem Wirken das ganze Leben und seinen Bedarf ausgeschritten. Dem Wachs und dessen Gestaltung galt eine besondere Liebe und an ihr kann man jene Bedeutung ablesen, wie wir sie heute kaum mehr nachempfinden können. Noch in dem Wenigen, das erhalten, sehen wir zu unserem Entzücken einen Variantenreichtum und eine Freude am bildnerischen Finden, die ahnen lassen, was in unbekümmerter Formkraft und liebevoller Übung damals alles geschaffen wurde. Das seltsame Material, hart und weich, spröde und geschmeidig zugleich, ist aber auch pradestiniert für Laienkunst. Wer hat nicht schon als Kind mit einem Klümpchen Wachs, aus Kerzenresten gesammelt, stundenlang gespielt, bis es in den Hánden so recht erwármt und gefügig geworden, beinahe wie von selbst Gestalt annahrn. Da entstanden Rosen mit zarten Blütenbláttern, Báurnchen, Kelche, Schüsselchen oder gar ein unbeholfenes Kindlein für's Stroh der Krippe* Die so spieierische Handhabung ermöglicht es jedermann, damit umzugehen, ohne Voraussetzung handwerklicher oder technischer Fertigkeiten. Für den einfachen Menschen war es naheliegend, das weiche Wachs zu nehmen, wenn es ihn drángte, sich plastisch auszudrücken. Es entstanden Gebilde voll der rührendsten Naivitat und Innigkeit, voll Anmut, Lieblichkeit und Sinnenfreude. Daneben hat es natürlich von altersher geschickte und in strenger Zunftübung gebildete Wachszieher gegeben. Noch heute kennen wir in Bayern einige wenige Meister, die, trotz aller Konkurrenz durch Fabriken, das Kerzenziehen genauso von Hand betreiben, wie das schon vor Hundérten von Jahren geübt wurde. In solch altén 3