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EINLEITUNG
1. Namen, Eigenart, Anordnung
Seit dem 18. Jahrhundert werden die drei Briefe des Apostels Paulus an Timotheus (1/2) und Titus Pastoral- oder Hirtenbriefe genannt (so D. N. Bardot 1703 für Tit; P. Anton 1753/55 für alle drei), weil sie für diese als Pastores, Gemeindehirten, kirchliche Regionalautoritäten, Anweisungen für die Verwaltung ihres Kirchenamtes geben. Dabei geben sie vor, die mündlichen Anweisungen des örtlich fernen Apostels, der mit seinem baldigen Tod rechnet, schriftlich zusammenzufassen (1 Tim l'f; 3'^'; 2 Tim 1'; Tit Ihnen eigen ist der Charakter pastoraler Dienstanweisungen mit apostolischer Autorität. Der 2 Tim ist darüber hinaus in der Form eines Testamentes des sich auf seinen Tod vorbereitenden Apostels Paulus abgefaßt (beachte 2 Tim 4^8).
Die Schreiben sind dabei nach Eigenart, Begrifflichkeit, Sprache und Stil sowie den darin behandelten Fragen eng miteinander verwandt und bilden im Ganzen der Sammlung paulinischer Briefe eine eigene Gruppe. Untereinander sind sie, wie in der Paulussammlung üblich, schematisch angeordnet: der lange 1 Tim am Anfang, zusammen mit 2 Tim, der kleine Tit am Ende. Der Abfassungszeit nach legt sich die Abfolge nahe: Tit, 1 Tim, 2 Tim.
2. Das Verhältnis zu den echten Paulusbriefen (1 Thess, 1/2 Kor, Gal, Phil, Phlm, Rom)
a) Obwohl die Eigenart dieser Schreiben und das Problem ihrer Einordnung in den durch die Apostelgeschichte und die übrigen Paulusbriefe (ausgenommen Kol, Eph, Hebr) erschließbaren zeitlichen Rahmen des Wirkens des Apostels schon früh erkannt wurde, wurde vor allem wegen der darin enthaltenen biographischen Notizen (1 Tim 13.18-20. 3Hf. 4.4. 523. 2 Tim V-'; V'-''; 3'°'; 4'"'^Tit 3'^') bis in die neueste Zeit hinein diskutiert, ob diese Schreiben den Apostel selbst zum Verfasser haben (Spätschriften) oder doch wenigstens nach seinen Anweisungen abgefaßt worden sind (Sekretärshypothese). Wegen der erheblichen Unterschiede in Wortschatz und Stil, vor allem aber in der deutlich verschiedenen Situauon der Kirche, die darin vorausgesetzt wird, wird heute in der Wissenschaft weithin angenommen, daß nicht der Apostel selbst der Verfasser sein könne. Wegen der deutlichen Beziehungen dieser Schreiben zur Paulustradition muß daher ein Mann mit Autorität und paulinischer Prägung als Verfasser angenommen werden.