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Karl Adolf Scherer - 100 jahre Olympische Spiele [antikvár]

100 jahre Olympische Spiele [antikvár]

Karl Adolf Scherer

 
PrologAn den ersten Olympischen Spielen moderner Zeitrechnung 1896 in Athen nahmen 295 Sportler teil. Hundert Jahre später ist die Starterzahl mit rund 10 000 Athleten und Athletinnen und 5000 Begleitern limitiert. Aus einer Handvoll Journalisten, die 1896 die Ereignisse in Griechenland beobachteten, sind 15 000 geworden. Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 23. Juni 1894 in Paris als private und unabhängige Organisation zur Wiedereinführung Olympischer Spiele gegründet wurde, war der Sport eine Angelegenheit...
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PrologAn den ersten Olympischen Spielen moderner Zeitrechnung 1896 in Athen nahmen 295 Sportler teil. Hundert Jahre später ist die Starterzahl mit rund 10 000 Athleten und Athletinnen und 5000 Begleitern limitiert. Aus einer Handvoll Journalisten, die 1896 die Ereignisse in Griechenland beobachteten, sind 15 000 geworden. Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 23. Juni 1894 in Paris als private und unabhängige Organisation zur Wiedereinführung Olympischer Spiele gegründet wurde, war der Sport eine Angelegenheit gesellschaftlicher IMinderheiten; diese internationalisierten den sportlichen Wettkampf, und die Spiele selbst sorgten für Regeln, an die sich im Fairplay, das damals schon ein Begriff war, Menschen und Mannschaften hielten oder wenigstens zu halten bemühten.Die olympische Bewegung mit dem IOC als dem gesetzgeberischen Parlament und den Sommer- und Winterspielen als dem feierlichen Höhepunkt dieser Philosophie, Ideologie oder gar Religion wurde zum sozialpolitischen Phänomen des 20. Jahrhunderts. In meinem 1974 erschienenen Buch Der Männerorden, der bis heute einzigen Historiographie des IOC, schrieb Willi Daume im Vorwort: Das IOC ist wahrscheinlich die einzige Organisation von Weltrang, die in diesem Jahrhundert die gestellte Aufgabe voll und ganz erfüllte.An dieser Feststellung hat sich nichts geändert. Die fundamentalen Prinzipien des IOC, Gefäß auch für die Spiele, sind hundert Jahre lang beibehalten worden. Kein anderes Komitee - nicht einmal die Nobelstiftung - kann auf eine ähnliche Prinzipientreue verweisen. Von den 400 Mitgliedern, die seit 1894 das IOC bildeten, wurden nur vier wegen Unwürdigkeit wieder ausgeschlossen.Trotz zweier Weltkriege, dem Terroranschlag der Palästinenser auf die Israelis im olympischen Dorf von München 1972, trotz zahlreicher politischer Erpressungen und trotz der Zeiten des kalten Krieges mit den Boykotts von Montreal 1976, Moskau 1980 und Los Angeles 1984 hat es in hundert Jahren 23 Sommer- und 17 Winterspiele gegeben.Die Zahl der olympischen Wettbewerbe stieg von 42 im Jahre 1896 auf 271 im Jahre 1996. Die Zahl der Olympiakomitees, die vom IOC anerkannt sind, beläuft sich auf 197, die der mit ihm verbundenen anderen sportlichen Organisationen auf 106 (Stand Juli 1995).Lebte das IOC 65 Jahre lang von der Hand in den Mund, stieg der Umsatz durch Fernsehen und Vermarktung seit 1960 von null auf zwei Milliarden Dollar am Ende des Säkuluras. Der zweite Präsident des IOC, der geniale Gründer Pierre de Coubertin ('1863, tl937), verbrauchte sein Vermögen, um zu seinen olympischen Zielen zu gelangen, der siebte Präsident, Juan Antonio Samaranch, der in seinem Lebensstil äußerst bescheidenist, hat eine jähriiche Aufwandsentschädigung von knapp einer Million Schweizer Franken.Vom ersten Tag an war die olympische Bewegung politisch; den unpolitischen Sport hat es nie gegeben. Schufen einst menschliche Sehnsüchte und Größe das olympische Imperium mit seiner Kultur, so bewahrt es sich heute durch die Macht des Geldes. Wenn man will, sind die hundert olympischen Jahre eine Chronik individueller Tugenden ebenso wie eine ichronique scan-daleuse<. Sie sind ein Spiegelbild der Welt, in der wir leben.Trotz all diesem ist die Geschichte der modernen olympischen Bewegung mit ihren Spielen ein antikes Heldenepos; in ihm vermischen sich die Mythen desWenn mon will, sind die 100 olympischen Jahre eine Chronil< individueller Tugenden ebenso wie eine >chronique scandoleusetklassischen Altertums mit ihrem IWaß, ihrer Anmut und ihrem Wohllaut mit den Sagen der germanischen Götterwelt, die voller Schweiß, Streitlust und Kampfgetümmel sind. Was Ende des 19. Jahrhunderts an olympischer Phantasie und Philosophie wiedergeboren wurde und im Fest der Spiele gipfelt, war und ist das Ergebnis eines Brainstorming unterschiedlichster Rechenexem-pel, Gefühlsaufwallungen, Vorstellungen und Ideen -Irrtümer und Eehldeutungen eingeschlossen.Die Olympischen Spiele wurden im Veriauf eines Jahrhunderts Wettkampf auf den Ebenen Kult, Pop-art, Politik, Zerstreuung und Industrie. Avery Brundage hat 1964 den Olympismus als die Religion des 20. Jahrhunderts bezeichnet und die Sportstadien mit den Kirchen dieser Religion verglichen. Ein Irrtum?In nichts irren ist Sache der Götter; irren ist menschlich. Antike Geisteskoryphäen wie Theognis, Hieronymus, Sophokles, Euripides, Cicero und Seneca der Ältere haben es so oder ein bißchen anders gesagt. Der Nachwelt wurde damit Prokura für Irrtümer erteilt, und die Olympier haben sie gerne wahrgenommen: Aus dem minus mal minus wurde plus. Was die Olympischen Spiele angeht, so trugen Fehler, Mißdeutungen und falsche Interpretationen erst zum grandiosen Gelingen bei. Die Summe der Irrtümer macht sogar mit die Faszination der Spiele aus. Hier findet sich ihr höchster Reiz.

Termékadatok

Cím: 100 jahre Olympische Spiele [antikvár]
Szerző: Karl Adolf Scherer
Kiadó: Harenberg Kommunikation
Kötés: Vászon
ISBN: 3611004979
Méret: 190 mm x 250 mm
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