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Acker Straße
Ein bisschen Kiez muss sein
Das plötzliche und allgemeine Interesse an der Ackerstraße erwachte überraschend spät, aber dann heftig, als vor einigen Jahren die vielen kleinen, verlassenen Lebensmittelgeschäfte von Enthusiasten reanimiert wurden, die außerhalb der Innenstadt den nicht ganz abwegigen Traum träumen wollten, sich selbst zu verwirklichen.
Das Viertel um die Ackerstraße, das immer auch anständig kleinbürgerlich durchwachsen war, hatte nach der Invasion von MegaSupermärkten auf den umliegenden industriellen Brachflächen in Flingern plötzlich genügend leer stehende und vor allem billige Läden, die auch für Berufseinsteiger (und -aussteiger) bezahlbar waren. Es entstanden Cafés, Restaurants und Werkstätten, und die neue Infrastruktur einer bunten und alternativen Szene ist in den letzten Jahren durch einige Galerien noch erhöht worden, die versuchen, nicht nur lokal, sondern in gesamteuropäischen Avantgarde-Traditionen zu denken.
Bereits 1990 war der für Düsseldorf und die europäische Kunst der Moderne so bedeutsame Galerist Konrad Fischer von der Altstadt zur Platanenstraße gezogen, hinter die Ackerstraße am Hermannplatz. Es folgten, mit großem Abstand zu Fischer, risikobereite Produzentengalerien wie »plan.d« oder die zeitweilig exzessiv frequentierte, aber heute nicht mehr existierende Galerie Acapulco.
Dass die Ackerstraße den bunten Stadtteil-Kopf nun weit über der manchmal verwirrend unübersichtlichen Off-Szene trägt, zeigen Galerien wie Ruzicska/Weiss oder der finanziell gut ausgestattete Newcomer Viktor Grray.
Auch die Restaurants in der Ackerstraße kochen nicht mehr nur auf kleiner, autodidaktischer Ethno-Flamme: »Bonsoir Maurice« und »Architektur Sc Esskultur« haben unterschiedliche, aber durchaus kosmopolitische Küchen-Formate. Und das kürzlich vom Himmel gefallene »Café Hüftgold« befriedigt auch in der jüngeren Kiez-Szene die sehr alte und harmlose, von Müttern und Tanten vererbte Lust nach Kaffee und leckerem Kuchen.