Bővebb ismertető
Der Begriff Mittel-Europa ist zweifellos mehr als be-
kannt, allgemein genutzt und für sehr viele Menschen
sozusagen problemlos evident, selbstverständlich und
legitim. Außerhalb dieser Region betrachtet man Mittel-
Europa, die mittel-europäische Geschichte, die ideologi-
sche und politische Entwicklung, die Kultur und Kunst
als ein reiches, sehr komplexes, kontroversielles, fast
schon undurchschaubares, aber faszinierendes Phäno-
men. Von je weiter weg man diese geopolitische und
kulturelle Region betrachtet, desto leichter und selbst-
verständlicher akzeptiert man die eigenständigen, spezi-
fischen mentalen Charakteristika als logisches und evi-
dentes Ergebnis der historischen Determinationen. Es
scheint durchaus logisch, daß die gesellschaftlichen
und wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Tat-
sachen eine spezifische, sich von den west-europäi-
schen aber auch von den ost-europäischen Entwick-
lungsmodellen unterscheidende soziale, mentale, kultu-
relle Situation geschaffen haben. Die Reaktionen der un-
terschiedlichen Schichten der mittel-europäischen Ge-
sellschaft in den politischen, ideologischen, philosophi-
schen und kulturgeschichtlichen Bereichen spiegeln
diese spezifische und widersprüchliche Entwicklung
wider und beeinflussen, modifizieren, gestalten sie
gleichzeitig mit und machen sie bewußt. Die spezifi-
schen Entwicklungsmodelle in den wirtschaftlichen Be-
reichen, in den Produktionssystemen, in den gesell-
schaftlichen Strukturen und den mentalen, kulturellen,
ideologischen Faktoren - mit all ihren Widersprüchlich-
keiten und ihrer Komplexität - schaffen besonders in
der Kultur eine Sensibilität und ein kulturelles Bewußt-
sein, welches sich als spezifisch mittel-europäisch be-
zeichnen läßt.
Trotzdem gab es und gibt es selbstverständlich ständig
heftige Diskussionen über die Definition, über die Rele-
vanz, über die Brauchbarkeit oder die Disqualifikation
dieses Begriffes. Vielleicht findet sich die einfachste und
pragmatischste Antwort auf diese Frage in dem exzel-
lenten Buch von Thomas W. Simons, Jr., nämlich, daß
wir mit diesem Begriff einfach in dem von uns klar und
pragmatisch definierten historischen, kulturgeschichtli-
chen, kunstgeschichtlichen und soziologischen Kontext
arbeiten sollen, da er für die konkrete Aufgabe, für die
konkrete Arbeit unter den konkreten Bedingungen
brauchbar ist.1 Brauchbar im historischen, kulturge-
schichtlichen, kunstgeschichtlichen Sinne, da sich der
Begriff auf konkret feststellbare Charakteristika im Kon-
text der Geschichte Mittel-Europas bezieht; und brauch-
bar im aktuellen politischen, strategischen Sinne, da wir
in der alltäglichen Praxis de facto einen Unterschied
zwischen dem Westen, dem Osten und den mittel-
europäischen Ländern machen. Mit dem Begriff Mittel-
Europa zu operieren bedeutet keinesfalls eine ahistori-
sche Mystifizierung der geschichtlichen und mentalen
Realität, sondern, im Gegensatz dazu, eine Konkretisie-
rung der allgemeinen, globalen Fragestellungen.
Obwohl sich Thomas W. Simons Jr. mit der gesamten
ost-europäischen gesellschaftlichen und politischen
Entwicklung auseinandersetzt, sind die Ergebnisse sei-
ner vielfältigen Analyse auch für die spezifische mittel-
europäische Situation sehr treffend. Sein intelligenter
Pragmatismus geht von zwei Tatsachen aus: von der de
facto gegebenen Unterschiedlichkeit der politischen
Entwicklung und des politischen Denkens der großen
Mehrheit der Menschen in Mittel- und Ost-Europa von
den westlichen Modellen; und von den wirtschaftlichen,
soziologischen Tatsachen der schwach und spät indu-
strialisierten, unterentwickelten, prinzipiell agrarischen
und lange Zeit relativ oder stark isolierten mittel- und
ost-europäischen Gesellschaften. „Eastern Europe is
very diverse. The very question of whether it should be
treated as a region - whether there is an Eastern Euro-
pe, as distinguished from Central Europe, or East-Cen-
tral Europe, or Russia - is controversial. So is the questi-
on of which peoples, nations, or states should be inclu-
ded if there is a region defined. There are no perfect, ob-
jective answers to these questions, and I am not offe-
ring any in what follows. Whether they are asked, and