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Zur Einführung
Zu den Merkmalen, die Leipzig als Stadt in der deutschen Geschichte besonders auszeichnen - Handelsund Messemetropole, Kulturzentrum für Musik, Literatur, Theater, LFniversitätsstadt, industrielles Ballungsgebiet sowie ein Zentrum der Arbeiterbewegung zu sein - gehört auch seine internationale Stellung im Buch-, Druck- und Verlagswesen. Wenn deshalb an die fünfhundertste Wiederkehr des Jahres erinnert wird, da in Leipzig das erste Buch mit beweglichen Lettern gedruckt wurde — Büdier wurden schon vor 1481 geschrieben und illuminiert -, dann vor allem deshalb, weü aus bescheidenen Anfängen ein kontinuierliches BuchschaUen entstand, das sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts an die erste Stelle in Deutschland emporzuarbeiten vermochte, tun schließlich im 19. und 20. Jahr-himdert als Leipziger grafische hidustrie und Leipziger Buchhandel weltweiten Ruf zu erlangen.
Tradition verpflichtet. Danach haben besonders die Setzer, Drucker, Buchbinder, Gestalter von Büchern sowie die Verleger vmd Buchhändler gehandelt, als es galt, aus den schweren materiellen Zerstörungen und geistigen Trümmern nach faschistischer Herrschaft und zweitem Weltkrieg neu zu beginnen.
Einige der Autoren dieses Buches nahmen an dem Neuaufbau selbst aktiv leü und schreiben aus eigenem Erleben, wie beispielsweise Alfred Emst und Albert Kapr. Ein anderer, Heinz Zietzschmarm, seit vielen Jahren in der grafischen Industrie tätig, versteht sich als Chronist der revolutionären Traditionen der Arbeiter in den Leipziger polygrafischen Betrieben. Vei-lagsleiter und Lektoren sind ebenso als Autoren beteiligt wie Techniker und Wissenschaftler, um anläl?-lich dieses Jubiläums einen vielseitigen Einblick in das Druck- und Buchschaffen in Vergangenheit und Gegenwart zu geben. Dabei konnten bei weitem nicht alle Teilbereiche berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Zeitungs- und Zeitschriftendrucke oder der Anteil der Karl-Marx-Universität. Aber weder in der Vollständigkeit noch in harmonischer Ausgewogenheit ist das AnUegen dieses Sammelbandes zu sehen, sondern in dem Nachweis, daß die »Buchstadt« Leipzig
nicht nur auf eme vielhundertjährige Geschichte zurückzublicken vermag, sondern daß sie vor allem auch in unserer Zeit ein breites Spektrum aufweist: Polygrafischer Maschüienbau, viele Druckereien und Verlage, Buchmesse, Bibliotheken aller Art, spezielle Hoch- und Fachschulen und nicht zuletzt der Buchhandel für das In- und Ausland - all das gehört heute zu jenem Begriff, der sich mit dem Namen Leipzigs verbindet und in aller Welt bekannt ist.
In den Jaliren, als es in Leipzig nicht mehr nur handgeschriebene Bücher, sondern emes der ersten gedruckten gab - 1481 von Marcus Brandis die »Glossa super Apocalypsim«, eme Schrift des Domiiükaners Annius aus Viterbo -, vollzog sich der Eintritt in eine Blüteperiode der Stadt, die sich mit dem Zeitabsclmitt der Herausbildung kapitalistischer Produktionsverhältnisse verknüpfte. Leipzig war am Ausgang des 15. Jahrhunderts die wirtschafthche Hauptstadt des wettinischen Territorialstaates, in dem der Bergbau zum zeitweilig bestünmenden Wirtschaftszweig wurde, der »Deutschland 1470 bis 1530 ökonomisch an die Spitze Europas stellte und damit zum Mittelpunkt der ersten bürgerlichen Revolution, in religiöser Verkleidung, der sogenannten Reformation, machte« [1], Zugleich wurden 1497 die weit über das Stadt-und Landesgebiet hmausreichenden Jahrmärkte durch das Privileg Kaiser Maximilians in den Rang von Reichsmessen erhoben, wobei sich der Leipziger Stadtrat sogleich der »Schwarzen Kunst« zur Veröffentlichung dieses »Kayserlich PrivUegiums« in »Plakatform« - Größe 31 cm x 33 cm - bediente und es inner- und außerhalb der Stadt bekanntmachen ließ. Oberhaupt stimulierten die jährlich stattfindenden Neujahrs-, Frühjahrs- und Herbstmessen Buchdruck und Budi-handel sehr. Neben Leipziger Kaufleuten, Druckern vmd Buchführem traten viele Auswärtige aus Augsburg, Basel, Erfurt, Dresden, Niraiberg und anderen Städten auf und verkauften üire Druckerzeugnisse bis nach Polen, Ungarn und dem Balkan. Dabei war Leipzig damals keinesfalls alleiniges Budi- und Druckzentrum in Deutschland. Nach der Erfindung des Buch-
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