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Abessinien, das arabisch »Habescha« = »Gemengsei«
heißt, amtlich Mangasta Itiopia, Äthiopien, ist das
letzte selbständige Reich Afrikas, ein Binnenstaat im
Nordosten des Schwarzen Erdteils, der vom Indischen
Ozean und vom Roten Meer durch französische, ita-
lienische und englische Kolonien abgeschnitten ist.
In der Bibel als Land Kusch bezeichnet (Kusch ist der
Sohn Chams, der Enkel Noahs), wird das Reich nach
der offiziellen Geschichtsschreibung von direkten Nach-
kommen des Königs Salomo und der Königin von Saba
regiert. Der Negusa Nagast ist absoluter Herrscher.
Er wird seit Oktober 1907 von einem siebenköpfigen
Ministerrat, seit 1910 von einem Rat der Alten, seit
Juli 1931 durch zwei Kammern beraten, die alle jedoch
vom Negus eingesetzt werden und dem letzten Ent-
scheid der Krone unterworfen sind.
Etwa doppelt so groß wie Deutschland — 1 120000
Quadratkilometer —, ist Äthiopien in sieben König-
reiche und drei Provinzen eingeteilt. Oft werden die
Stammeskönige vom Negus abgesetzt, ihre Gebiete in
Provinzen verwandelt und dann treuen Anhängern als
Lehen gegeben.
Die Bevölkerung — es gab noch keine Volkszählung
— wird auf zehn bis zwölf Millionen geschätzt. Da-
von sind nur drei bis vier Millionen eigentliche Äthi-
opier, seit dem 4. Jahrhundert christliche, semitisierte
Hamiten; der Rest setzt sich aus erst am Ende des
19. Jahrhunderts von Menelik II. endgültig unterwor-
fenen, z. T. islamitischen Völkerschaften, den Galla
(etwa 6 Millionen, Ackerbauern und Viehzüchtern),
den Danakil und Somali (Nomaden) zusammen.