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VORWORT
Gegenstand des Abrisses ist die deutsche Hoch- und Gemeinsprache der Gegenwart. Umgangssprachliche, landschaftliche und literarische Sondererscheinungen hingegen liegen am Rande des Blickfeldes und können hier nur gelegentlich einbezogen werden. Daß man sich dem komplizierten Objekt der Sprache auf sehr verschiedene Weise und von verschiedenen Ausgangspunkten nähern kann, ist bekannt; umstritten allerdings, welche Betrachtungsweise dem Gegenstand am besten gerecht wird. Den Widerstreit der Meinungen und Möglichkeiten spiegeln Werke wie E. Ottos "Stand und Aufgabe der allgemeinen Sprachwissenschaft' (1954) und die Akten der Internationalen Linguistenkongresse, besonders des VI. I. L. (1948 in Paris), auf dem man sich vergeblich bemühte, eine allgemein anerkannte Definition von Morphologie und Syntax zu finden. Weitgehende Einhelligkeit besteht immerhin darüber, daß Wort und Satz als sprachliche Grundeinheiten zu betrachten sind; und daraus ergibt sich doch wohl vor allem die Aufgabe, das Zusammenspiel, d. h. die Leistung sowie die Gestalt dieser Einheiten zu beschreiben, und zwar im Zusammenhang, denn: 'Formen und Funktionen stehen in gegenseitiger Abhängigkeit, und es ist sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich, sie voneinander zu trennen' (ferdinand de Saussure, Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft [1931] 161). Da aber häufig verschiedene Formen für die gleiche Funktion zur Verfügung stehen, empfiehlt es sich, von der Funktion auszugehen und dann nach den Formen zu fragen, in denen das Wort (bzw. der Satz) bei seiner Leistung erscheinen kann. Dabei darf man natürlich nicht nur an Flexionsformen denken, sondern muß auch andere Funktionskennzeichen (etwa unterstützende Begleitwörter, charakteristische Stellung) beachten. Daß man auch anders vorgehen karm, ist bekannt. Gerade weil man oft anders verfahren ist, darf hier einmal versucht werden, die herkömmliche Aufspaltung in Laut-, Formen-, Satz- und Wortbildungslehre zu überwinden und die Zusammenhänge zwischen Punktion und Form (im weitesten Sinne) darzutun.
Die Art der Darstellung, für die man sich entscheidet, wird nicht zuletzt vom Zweck bestimmt. Vorliegender Abriß will vor allem dem Deutschlehrer und dem