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Acht bunte blätter [antikvár]

Sonja Schnitzler

 
DIE BUNTE PALETTE DES KARL HOLTZ «Wo sich die Füchse gute Nacht sagen», mitten im Wald irgendwo zwischen Potsdam und Berlin, lebt der Karikaturist Karl Holtz. Seine große Zeit waren die zwanziger Jahre. Hier war sein Weg vom ehemaligen Kunstgewerbeschüler Emil Orliks zum profilierten Karikaturisten festgelegt. Hier hatten sich Neigung und Fähigkeit, Charakter und gesellschaftliches Anliegen bereits zu voller Reife entwickelt. Schon mit seiner ersten gedruckten Zeichnung, die er «Meiers haben eine Gans» nannte und die 1916 im...
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DIE BUNTE PALETTE DES KARL HOLTZ «Wo sich die Füchse gute Nacht sagen», mitten im Wald irgendwo zwischen Potsdam und Berlin, lebt der Karikaturist Karl Holtz. Seine große Zeit waren die zwanziger Jahre. Hier war sein Weg vom ehemaligen Kunstgewerbeschüler Emil Orliks zum profilierten Karikaturisten festgelegt. Hier hatten sich Neigung und Fähigkeit, Charakter und gesellschaftliches Anliegen bereits zu voller Reife entwickelt. Schon mit seiner ersten gedruckten Zeichnung, die er «Meiers haben eine Gans» nannte und die 1916 im «Ulk» erschien, machte er Furore. Sie illustrierte die schlechte Ernährungslage im ersten Weltkrieg und wurde bald von englischen und französischen Zeitschriften nachgedruckt. Als Karl Holtz - Jahrgang 1899 - noch vor Ende des Krieges Soldat wurde, begann er sich stärker für Politik zu interessieren und bekam während der Novembertage 1918 Kontakt mit dem Spartakusbund. Einen Tag vor der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts wurde er verhaftet. Man hatte einen Brief von ihm an Rosa Luxemburg gefunden. In der Zeit der Weimarer Republik apostrophierte Karl Holtz alles, was ihm an Mißständen begegnete. Immer wieder wurden die neureichen Emporkömmlinge, die Schieber, die Engstirnigen, die Bürokraten zu grotesken, traurigen Helden auf seinen Blättern. Die Unmoral des Kapitals war sein großes Thema. Sein politisches Denken war emotionell begründet, einer tiefen Sym-pathiefürdie «Verdammten dieserErde» entspringend. Und darum stand er links. Die «Rote Fahne», «Der Knüppel» und die «AIZ» brachten seine Bilder, ebenso «Der Wahre Jacob», «Der Simplicissimus», der «Vorwärts», der «Querschnitt», «Die Jugend», der «Uhu» und das «Stachelschwein». In jener Zeit lernte Karl Holtz auch George Grosz, John Heartfield, Karl Schnog und viele andere kennen, die damals die linke Kunst repräsentierten. Die zwanziger Jahre waren für den Künstler auch die Jahre der großen Reisen. Es entstanden Landschaften und Milieubilder aus der Tschechoslowakei, Spanien, Italien und Frankreich, farbige Blätter, ausdrucksstarke Grafiken, lebendig und voller Poesie wie beispielsweise der «Bunte Laden in Italien» auf unserer Titelseite. Ferner befaßte sich Karl Holtz mit Buch- und Gebrauchsgrafik. Die Mitarbeit in der linken Presse sowie besonders einige Anti-Hitler-Karikaturen führten 1934 zum Berufsverbot. Auch Haussuchungen, bei denen man Bücher und Zeitschriften konfiszierte, dieZeichnungenvon ihm enthielten, mußte er über sich ergehen lassen. Nach 1945 war Karl Holtz einer der ersten, die im doppelten Sinn des Wortes für einen antifaschistischen demokratischen Wiederaufbau zeichneten. Vor allem der «Ulenspiegel» und später der «Eulenspiegel», die «Freie Welt», die «NBI», die «Markische Volksstimme» und das «Magazin» druckten seine Zeichnungen. Die Blätter «Frühstückspause», «Wissensdurst», «Die Kartenlegerin» und «Neues vom Kunstmarkt» stehen für viele. Sie machen sichtbar, daß der Künstler nichts von der satirischen Schärfe seiner Aussage verloren hat, daß er mit seinen Zeichnungen Mißstände anprangern, Zustände positiv verändern will. Schwer ist zu sagen, ob der Zeichner Karl Holtz nicht eigentlich ein Maler ist, wobei wir die zeichnerische Kunst seiner Blätter keineswegs abwerten wollen. Doch fasziniert immer wieder, wie er, oft nur mit wenigen Farben, weil der Druck es so verlangt, die bunteste Palette schafft. Seine Farben regen auf, provozieren Protest und bieten gleichermaßen in den Landschaften man betrachte nur die Blätter «Berliner Straße», «Abend im Hafen» oder «Vorortstraßenbahn» wundervoll elegische Stimmungen. Karl Holtz ist nicht nur Satiriker, der gesellschaftliche Absurditäten in treffenden Pointen erfaßt, sondern zugleich Humanist, Zeitchronist und Poet, dem die Kontraste des Lebens, des gesellschaftlichen Lebens vor allem, zu denken geben und die er kritisch in Linien und Farben umsetzt. Immer geht es ihm um das Wohl und Wehe der Menschen: Obwohl und weil er ihre Bosheiten durchschaut, schließt er sie freundschaftlich in seine Arme. Er ist in einem langen schöpferischen und belasteten Leben weise geworden. Sonja Schnitzler

Termékadatok

Cím: Acht bunte blätter [antikvár]
Szerző: Sonja Schnitzler
Kiadó: Eulenspiegel Verlag
Kötés: Papírmappa
Méret: 240 mm x 340 mm
Sonja Schnitzler művei
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