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Mit spitzer Feder und Lithograjenstein
I3ie Kunstfreunde im alten Breslau konnten 1828 neben Werken damals namhafter Künstler auch Zeiclinungen eines dreizehnjährigen Ii lernen tarschülers sehen, der noch einmal im folgenden .laiir in seiner Vaterstadt ansstellle. Dann verzog er mit seinen Eltern und (joschwisteni nach Berlin, wo es nicht lange wälirte, bis er mit achtbaren Kunstwerken von sich reden machte. Seiner zwergartigen Körperstatur wegen bescheinigte ihm das Militär völlige Dienstimtauglichkeit. Das hinderte den kleinen Mann keinesfalls, ein Großer in der Kunst zu werden: Adolph Menzel.
Menzels Valei-, Sohn eines Müllers, war Vorsteher einer Erziehungsanstalt. Die Mutter kam aus dem I lause eines Zeichenlehrers. Das Auskommen der Familie mag nicht gerade gut gewesen sein. 1818 schaute sich der Vater nach einem neuen Beruf um, der die Seinen besser ernähren sollte. Er gründete, zwei Jahrzehnte nachdem Senefelder den Steindruck erfunden hatte, eine lithografische Anstalt. Adolph Menzel, der den Eltern am S.Dezember 1815 erstgeborene Sohn, mußte schon im Kindesalter bei der Arbeit helfen, zeichnete nach Vorlagen Porträts für ein Geschichtswerk, aber auch selbständig aufgefaßte Studien von erstaunlicher Reife.
In Berlin erhoffte der Vater für seine Werkstatt einen besseren Geschäftsgang, doch trug man ihn zwei Jahre nach der Übersiedlinig bereits zu Grabe. Jetzt oblag es dem jungen Adolph Menzel, den Unterhalt für die aus vier Personen bestehende Familie zu bestreiten. Er erledigte alles, was damals zimt Handwerk des Lithografen gehörte, zeichnete und druckte Annoncen, Vignetten, Diplome, Einladungskarten, Namensschilder imd Illustrationen.
Die im Eltenihaus empfangene allgemeine und künstlerische Bildimg sowie die besonderen Umstände seiner Jugend haben Charakter imd Persönlichkeit Menzels wesentlich geformt. Auch das Nachwirken der anfänglich liandwerklich-lithografischen Tätigkeit blieb in seinem Werk auf Jahre liinaus sichtbai*. Hiervon ausgehend, und bestimmt durch die gesellschaftliche Umwelt, entwickelte er mit strengem Pflichtgefühl seine beispielhafte Kirnst. «Der wichtigste Lehrer, den Menzel in seiner Jugend hatte,» schrieb Karl Scheff-ler, «hieß zweifellos Adolph Menzel.»
Menzels erste Berliner Schaffensperiode fiel in eine Zeit, in der, nach einem Wort von I'^riedrich Engels, die bürgerlichen Mittelklassen in Bewegung gerieten. Handelnd nach ilirem ökonomischen Interesse, erhoben die Fabrikanten und Kaufleute aller deutschen Staaten die Foj derung nach einem einheitlichen Markt. Das Kleinbürgertum war an einer weitgehenden nemokratisierung des öffentlichen Lebens interessiert imd nälierte sich mit seinen Fordetungen den Lebensinteressen des gesamten Volkes. Von der einsetzenden ka))ilü]ist)schen ICntwickhmg gefördert, und wiederum auf diese zurückwirkend, setzte ein Aufschwang der Naturwissenschaft und Technik ein. Nach J850 begann sich die Nation erneut auf ihren größten Dichter, auf Goethe, zu besinnen, der von 1815 bis zur Julirevolution der entschiedenste Wortführer im Kampf gegen die reaktionären Tendenzen der Romantik war. Auf allen Gebieten des Lebens und der Kunst begann in Deutschland um 1850 eine Wende. In der Literatur traten Heinrich Heine und Ludwig Börne als Verfechter demokratischer Ideen auf. 1834 erschienen Wienbargs «Ästhetische Feld-züge», ein Versuch, die enge Verbindung der Kunst mit dem Leben zu erweisen. Gleichzeitig erlebte die bürgerliche Musikkultur einen großen Aufschwung. In der Berliner Malerei war der nazarenische Typus des romantischen Künstlers nie recht heimisch gewesen. Die preußische Hauptstadt lebte im Grunde ohne höfische Traditionen,
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