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MARGARET TROWÉLL
Form und Inhalt der afrikanischen Kunst
DIE BESTIMMENDEN FAKTOREN DER AFRIKANISCHEN KUNST
DIE GEOGRAPHISCHEN BEDINGUNGEN
Afrika ist ein Land starker Gegensätze, grausam und doch immer voll Schönheit. Von Westen erstreckt sich ein Gürtel tropischen Regenwaldes ostwärts an der Guineaküste entlang und über einen Teil Kameruns hinweg, während er weiter südlich Gabun und die nördliche Hälfte vom Kongo bedeckt. Dieser ist im Norden, Osten und Süden von parkartiger Savanne umgeben, die in unfruchtbare Steppe und schließlich nach Norden in der Sahara in vollkommene Wüste und weit im Südwesten in die Kalahari übergeht. Ein Gebiet mit verhältnismäßig vielen Regenfällen verläuft die Ostküste hinunter; das Niltal ist dank seiner jährlichen Überschwemmungen intensiv kultiviert, und die milden Bedingungen der Mittelmeerküste haben ganz im Süden ihre Entsprechung.
Wasser ist immer der beherrschende Faktor gewesen, wenn es um menschliche Siedlungen ging, denn in völliger Wüste und in einem Großteil der Trockensteppe konnte der Mensch auf die Dauer nicht existieren. In den dichteren Teüen des Urwalds war das Leben nur in vereinzelt auftretenden Lichtungen möglich, wo kleine isolierte Gruppen gegen die wuchernde Vegetation und den Tod durch Insekten kämpften, um sich durch ein primitives Leben zu schlagen.
In dem weiten Gebiet der gesicherten Niederschläge, das von den Flußläufen des Kongo und des Niger durchzogen wird, ist dagegen eine rein afrikanische Kunst von so kraftvoller plastischer Qualität zu finden, daß sie Künstlern und Kennern in der ganzen Welt Hochachtung abnötigt. Im Norden und entlang der Ostküste ist der Einfluß der Moslem zu stark gewesen, um die Entwicklung einer afrikanischen Kunstform zuzulassen, während im Süden kaum eine Skulpturtradition besteht, wenn auch das Schnitzen von Schemeln und Behältern für Nahrungsmittel und Milch geübt wird. Die Stämme, die plastische Kunst hervorbringen, sprechen Nigritisch oder auch Bantu und verschiedene Mischungen aus beiden. Sie sind hauptsächlich Ackerbauern, die mindestens bis vor kurzem den Ackerbau auf alte Weise übten, indem sie sich ihren Weg mit Feuer und Grabstock und hölzernen Hacken immer tiefer in den Urwald hinein bahnten und den Boden Stück für Stück kultivierten. Schwächere, weniger entwickelte Stämme waren weiter in undankbareres Gelände getrieben worden. Pygmäische Sammler und Jäger mit ihren winzigen Pfeilen und Bogen krochen durch fast undurch-