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Land und Leute
Annähernd eineinhalb Millionen Touristen reisen jährlich nach Ägypten, allen voran bildungseifrige Europäer, gefolgt von Arabern und Amerikanern. Während die reichen arabischen Brüder dem heißen Wüstensommer ins kurzweiligere Kairo entfliehen, wird die Mehrheit der Besucher von den Kulturdenkmälern des alten Ägypten angelockt.
Der Name »Ägypten« stammt von den Griechen. Die Ägypter selbst sprachen vom »schwarzen« und vom »roten« Land und meinten damit die dunkle Erde des fruchtbaren Niltals und seine wüstenhafte Umgebung. Dieser Gegensatz besteht bis heute: 96 Prozent der Fläche sind Wüste; auf den restlichen 4 Prozent drängen sich 57 Millionen Menschen (1992).
Ägypten ist ein »Geschenk des Nils«: Der von ihm jährlich angeschwemmte Boden hatte es zum fruchtbarsten Land der Erde gemacht. Zugleich zwang er die Menschen, sich für ein funktionsfähiges Bewässerungssystem und die landwirtschaftliche Arbeit zu organisieren. Auf diese Weise entstand schon früh ein zentralisiertes
politisches System, das zur Grundlage einer der ältesten Hochkulturen der Menschheit wurde. Die ereignisreiche ägyptische Geschichte zeigt über 5000 Jahre hinweg eine erstaunliche Kontinuität: Der Nil, das Land und das Leben der Bauern haben sich kaum gewandelt; und wie für die alten Ägypter ihr Land der Mittelpunkt der kosmischen Ordnung war, so halten es die heutigen Ägypter für die »Mutter der Welt«.
Für den Fremden ist dies zunächst kaum nachvollziehbar. Das Menschengewühl in den Straßen Kairos, die endlosen Verkehrsstaus, die ärmlichen Eselskarren der Müllsammler, moderne Einkaufszentren neben verfallenen Elendsvierteln, Lärm, Gestank und Hektik zeigen ein Entwicklungsland, dessen Grundproblem im wachsenden Mißverhältnis zwischen Einwohnerzahl und verfügbarem Boden liegt. Zugleich aber ist es ein Reiseland, dem sich der Tourist nicht verschließen kann: der Fröhlichkeit und Spontaneität der Menschen, der Ursprünglichkeit des Niltals, den Kulturdenkmälern aller Epochen - und nicht zuletzt dem Kairoer Chaos.