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VORWORT
Die ägyptische Kunst hat, abgesehen von der großen Bewunderung, die ihr in der Zeit der Spätantike entgegengebracht wurde, im abendländischen Geistesleben keinen großen Widerhall gefunden. Erst seit dem späten i S.Jahrhundert begegnen wir einem lebhafteren Interesse für das Land am Nil.
Die mit der napoleonischen Armee 1798 nach Ägypten gekommenen Gelehrten nahmen sich der Frage nach dem geheimnisvollen Sinn der Bildwerke und Inschriften an und legten den Grund zu der wissenschaftlichen Erforschung der ägyptischen Kultur.
Ihre Kunst blieb dem europäischen Menschen lange Zeit fremd, da man bei ihrer Betrachtung von falschen Voraussetzungen ausging. Dem an der Kunst der griechischen Antike geschulten Auge mußte die ägyptische Formensprache steif und primitiv erscheinen. Man sah in ihr die Ungelenkheit einer frühen Entwicklungsstufe, der die Darstellung der sichtbaren Welt in ihrer organischen Belebtheit noch nicht gelang. Erst als durch die im ig.Jahrhundert einsetzenden Ausgrabungen eine Fülle von Denkmälern in europäische Museen kam, wurde es deutlich, daß die uns vertraute ästhetische Betrachtungsweise der ägyptischen Kunst nicht gerccht wird. Gewiß wird für denBetrachtcr der ästhetische Eindruck bestimmend für sein Verhältnis zum Kunstwerk sein, aber wir dürfen nicht vergessen, daß das Bild, das wir auf diese Weise erhalten, subjektiv bleibt.
Erst das Wissen um die historische Entwicklung des Pharaonenstaates, um die religiösen Vorstellungen der Ägypter und ihre Lebensgewohnheiten gibt die Grundlage für eine objektive Beurteilung der ägyptischen Kunst.
Bei der Betrachtung der erhaltenen Baudenkmäler, Rundbilder und Reliefs beeindruckt zunächst die großartige Einheitlichkeit ihrer Formensprachen, wobei freihch zu bedenken ist, daß, je weiter der zeitliche Abstand von einer Kultur ist, und je fremder ihre Formen erscheinen, man um so mehr dazu neigt, sie als Einheit zu begreifen. Eine intensive Beschäftigung mit der Entwicklung des künstlerischen Stiles der ägyptischen Kunst läßt aber Wandlungen und Differenzierungen innerhalb der einzelnen Epochen erkennen, die etwa ein Werk des