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A. Rosalie David - Ägypten [antikvár]
 
Vorwort Vom Flugzeug aus, auf der Strecke von Kairo nach Luxor, erhält der heutige Besucher Ägyptens einen treffenden Eindruck von der Landschaft. Sie trug dazu bei, das Wesen der ägyptischen Kultur vor Tausenden von Jahren zu formen. Der Nil in seinem gewundenen Lauf zum Delta ist immer noch, wie in früheren Zeiten, die Lebensader des Landes. Bewirtschaftete Streifen von fruchtbarem Land säumen das Ufer des Flusses. Sie werden wie früher mit primitiven Ackerwerkzeugen bebaut, jedoch stärker als in früheren Zeiten bewässert. Die...
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Vorwort Vom Flugzeug aus, auf der Strecke von Kairo nach Luxor, erhält der heutige Besucher Ägyptens einen treffenden Eindruck von der Landschaft. Sie trug dazu bei, das Wesen der ägyptischen Kultur vor Tausenden von Jahren zu formen. Der Nil in seinem gewundenen Lauf zum Delta ist immer noch, wie in früheren Zeiten, die Lebensader des Landes. Bewirtschaftete Streifen von fruchtbarem Land säumen das Ufer des Flusses. Sie werden wie früher mit primitiven Ackerwerkzeugen bebaut, jedoch stärker als in früheren Zeiten bewässert. Die kleinen Felder, saftig grün, kontrastieren lebhaft mit der Wüste, die sich unmittelbar anschließt und sich oft zu steilen schroffen Klippen erhebt. Von Kairo aus fährt der Besucher nach Gizeh, Saqqara und Memphis, den Orten, an denen das Land unter den Pharaonen des Alten Reiches seine erste Blüte erfuhr. In Unterägypten, wo er die moderne Stadt Luxor zu seinem Ausgangspunkt machen sollte, kann er einige Tage dem Ost- und Westufer des Flusses widmen, wo einst die alte Hauptstadt Theben lag. Er kann in dem ausgedehnten Komplex, bekannt als der Tempel von Karnak, und dem kleineren und übersichtlicheren Tempel von Luxor herumstreifen, auf dem Westufer die Totentempel, die Gräber der Könige, Königinnen und Noblen sowie die Reste des Dorfes besichtigen, in dem die Handwerker für die königliche Totenstadt lebten. Die Tempel, die heute nur noch Vögeln eine Heimstatt bieten, und von Archäologen und Touristen besucht werden, sind heute verlassen; Säulen und Mauerreste liegen verstreut, und die rituálén Gesänge der Priester sind schon lange verklungen. In den unfruchtbaren Tälern liegen die Gräber leer; sie wurden schon vor langer Zeit von Grabräubern geplündert. Nur König Tut-anch-Amun ruht immernoch in seinem ursprünglichen Grab. Es ist unmöglich, von der Größe der Tempel unbeeindruckt zu bleiben oder nicht in Erstaunen zu geraten Uber die farbenfrischen Grabmalereien, die in Szenen mit Königen und Göttern die Wände verzieren; sie wirken, als wären die Künstler, gerade erst mit der Arbeit fertig, in ihr Dorf auf der anderen Seite des Berges heimgekehrt. Der Besucher, dem mehr Zeit zur Verfügung steht, kommt weiter herum, vielleicht nach Abydos, um dort das zu sehen, was wahrscheinlich die besten Reliefs in Ägypten birgt, den Tempel von Sethos 1.; oder er kann die gut erhaltenen und klassisch proportionierten Tempel der Ptolemäerzeit - Edfu, Dendera, Kom Ombo, Esna und Philae besuchen. Einige Besucher werden dem Fluß bis Assuan folgen und weiter südlich zu den Tempeln von Abu Simbel fahren, die vor einigen Jahren versetzt wurden, um nicht in den Fluten des Stausees unterzugehen. Einige wenige kommen nach Teil El-Amarna, dem Ort, an dem der Ketzerkönig Echnaton seine Stadt errichten ließ und wo er seinen einzigen Gott verehrte. Der alte Brauch, dem Verstorbenen Grabbeigaben für dessen nächstes Leben mitzugeben, hat, verbunden mit dem trockenen Klima Ägyptens, dazu geführt, daß Relikte längs! vergangener Zeiten in weit größerem Ausmaß erhalten blieben als bei den meisten anderen alten Kulturen. Umfassende Kenntnisse über diese Kultur wurden durch die geduldige Kleinarbeit vieler Generationen von Ägyptologen erworben, während spektakuläre Entdeckungen Menschen aller Bevölkerungsschichten dazu brachten mehr über das Leben der Ägypter erfahren zu wollen. Schließlich ermöglichte es uns die Entzifferung ihrer Schrift, in einem gewissen Maß etwas über ihre geistigen Vorstellungen zu erfahren. Überdies werden wir finden, daß uns viele Aspekte der Kultur des alten Ägypten nicht fremd sind. Wir können ihre Einstellung zu Heim, Familie und Erziehung nachvollziehen. Wir können ihre kostbaren Juwelen und ihre elegante Kleidung bewundem und ihre Suche nach medizinischem Wissen ebenso verstehen wie ihre Suche nach verjüngender Kosmetik. Ihre Gebäude zeigen uns noch immer den hohen Grad der Fertigkeit ihrer Architekten, Handwerker und Arbeiter. Trotz unseres reichen Wissens über die Ägypter muß dabei Immer bedacht werden, daß dieses Wissen hauptsächlich auf der wissenschaftlichen Auswertung erhaltener Gegenstände beruht, die zu Begräbniszwecken angefertigt wurden. Man kommt dabei leicht in die Versuchung, die Ägypter als Volk zu betrachten, das vom Tod besessen" war. Tatsächlich aber scheint es, daß der vorrangige Gedanke dabei nicht der Tod, sondem das ewige Leben war. Die ägyptische Glaubenshaltung und die daraus resultierende Form der ägyptischen Kunst sind möglicherweise die für die moderne Welt am schwierigsten verständlichen Aspekte ihrer Kultur. Die Geschichte Ägyptens umfaßt viele Jahrhunderte; den im Dunkel liegenden Anfängen und der ersten großen Blütezeit des Alten Reiches folgen Perioden von Niedergang und Erneuerung, Höhepunkte internationaler Macht, Ansehen und Reichtum, während des Neuen Reiches dann das etappenweise Verblassen in den späteren Jahren. Nachdem ihre internen Mittel erschöpft waren, wurde Ägypten eine leichte Beute für Eroberer. Einige, wie die Seevölker", scheiterten, aber andere - die Äthiopier, Assyrer, Perser, Griechen und Römer - waren in der Lage, Ägypten für lange Zeiten zu unterwerfen. Jedoch bis zur spätpto-lemäischen Zeit, als eine hellenistische Dynastie das Land ausbeutete, hatten die aufeinander folgenden Eroberer keinen emstzunehmenden Versuch unternommen, die tief verwurzelten Traditionen und Lebensformen, die sie in Ägypten vorgefunden hatten, verändem zu wollen. Im Gegenteil tendierten die Invasoren sogar dazu sich anzupassen, sich zu ägyptisieren", indem sie viele Gewohnheiten und Bräuche des Landes, das sie erobert hatten, annahmen.

Termékadatok

Cím: Ägypten [antikvár]
Szerző: A. Rosalie David
Kiadó: Karl Müller Verlag
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 220 mm x 290 mm
A. Rosalie David művei
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