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Die Wiederentdeckung der ägyptischen Kunst
Die Erinnerung an die große Kunst des alten Pharaonenreidhes am Nil ist in der abendländisdhen Überlieferung ganz anders lebendig geblieben als das Gedächtnis der altorientalischen oder gar der eurasischen Kunst des Altertums, wovon nur noch eine dunkle Kunde erhalten blieb. Der Grund ist unschwer in einem Wesensmerkmal ägyptischer Architektur und Bildkunst zu finden, das sie grundsätzlich von der sumerischen und babylonischen Kunst unterscheidet; sie ist aus Stein geschaffen, der die Zeiten überdauert hat. Dieses Werkstoffs wegen wurde Ägypten »ein rechtes Land der Steine« genannt (Sethe) und das Wort von Ägypten als dem »Staat aus Stein« (Evers) gefunden.
Dem ägyptischen Stein hat Winckelmann in seiner 1763 erschienenen »Geschichte der Kunst des Altertums« eine breite Darstellung mit treffenden Bemerkungen gewidmet und bei seiner Behandlung ägyptischer Kunstwerke betont, daß »den Meistern der ägyptischen Statuen das Wort Bildhauer in seiner ersten eigentlichen Bedeutung zukommt«. Winckelmann räumt der Betrachtung ägyptischer Kunst einen weitaus größeren Raum ein als der phönizisdien und persischen Kunst, die bei ihm den Alten Orient vertritt; während ihm für diesen Bereich nodi alle großen Entdeckungen fehlen, kennt er ägyptische Werke aus Stein, Holz und Bronze und weiß um die Mumienbemalung. Er madit als erster dieBeobaditung, daß Sphinxdenkmäler männlichen Geschlechts sind, er gibt sich kluge Rechenschaft über die Attribute ägyptischer Gottheiten, um die Bildzeugnisse näher bestimmen zu können, vor allem Isis, Osiris und Anubis, und erörtert die Tierkopfbildungen menschlicher Gestalt. Berück-siditigt man, daß Winckelmann in diesem Zusammenhang auch die Körperbildung der Ägypter untersucht hat und auch um die »Ge-
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