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Einführung.
' Von Dr. Heinrich Kralik.
Unter den Meisterwerken, die Verdi geschrieben hat, ist „Aida" das Meisterwerk. Von welchem Punkt aus immer man die Keihe seiner Schöpfungen in Betrachtung zieht: diese ist die höchste. Und so unsinnig sonst die Frage nach einem Höchsten und Schönsten sein mag, hier darf man, soll man fragen. Denn in der Zielstrebigkeit dieses Schaffens, in der Art und Weise, wie sich da Werk um Werk aufschichtet, zugewandt einem instinktiv erschauten Gipfel und geleitet von einem unfehlbaren Entwicklungsgesetz darin offenbart sich überhaupt ein Grundzug der Musik Verdis: sie ist immer in Spannung, immer in Tätigkeit, hat immer etwas vor; sie gönnt sich kein Ausruh'n, kein Stillehalten, kein dolce far nitnte. Kurz, es ist die eminent dramatische Qualität des Verdischen Genies, die sich auch in dieser Zuspitzung der Schaffenslinie äußert.
Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die ungefähr zwei Dutzend Opern, die Verdi vor seiner „Aida" geschrieben hat, einzig als Vorstufen für das kulminierende Meisterwerk zu gelten hätten, oder daß in der chronologischen Reihe jede folgende Oper die vorhergehende irgendwie überhöhte. Nein, auch vor der „Aida" wurden Vollkommenheitsgrade erreicht und von diesen führte der Weg, die nächste, höhere Vollkommenheit erst vorbereitend, durch Werke des Durchgangs und des Übergangs. So bildet etwa die populäre Trias „Rigo-letto", „Troubadour" und „Traviata" etwas absolut Vollkommenes in Stil und Charakter, etwas, das in seinen künstlerischen Bedingnissen gewiß keiner Steigerung mehr fähig gewesen ist; wohl aber konnte das stilistische Ziel höher gesteckt, die Charakterologie der Gattung gesteigert werden. Das ist der entwicklungsgeschichtliche Sinn der mehr als anderthalb Jahrzehnte, die zwischen „Traviata" und „Aida" liegen. In diesem Zeitraum entstanden fünf neue Opern, unt^-
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