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Die nächtliche Geburt dieses Buches
Vieles vom Schönsten meines Lebens habe ich in Lambarene erfahren. Dort lernte ich Albert Schweitzer persönlich kennen, der mich schon früh beeindruckt und wesentlich mitgeprägt hatte. In Lambarene bin ich den Männern, Frauen und Kindern des Gabun begegnet, durch deren herzliche Zuneigung ich tiefe Wurzeln in diesem Land erhielt. Mit Staunen sah ich den äquatorialen Urwald und den mächtigen Ogowestrom, die bei meiner Ankunft im Jahre 1961 von Menschenhand erst ganz wenig beeinflusst waren. In Lambarene fand ich auch meine Frau Jo, die hier manches Jahr als begeisterte Hebamme und Krankenschwester tätig war. Wir haben miteinander das Jahr 1965 erlebt, als Albert Schweitzer mit über 90 Jahren starb.
Das Geben und Nehmen in unseren Berufen als Arzt und als Hebamme schenkte uns so viel, dass wir nach unseren ersten, nur kurz unterbrochenen Arbeitsjahren von 1961 bis 1969 dem Werk von Albert Schweitzer treu blieben. Mit unseren drei Mädchen -Andrea, Mirjam und Irene - sind wir 1980/81 nochmals nach Lambarene zurückgekehrt in einer schwierigen Spitalzeit. Unser Familienleben gleicht einem zweistimmigen Lied: Eine Stimme singt den Tag unseres europäischen Lebens in der Schweiz, die andere tönt vielfältig dazu mit fröhhchen und auch ernsten Klängen aus Afrika. Wir sind dankbar, auch den Gabun als eine zwar ganz andere, aber auch bedeutungsvolle Heimat in uns zu spüren. Im Rahmen der Arbeit des internationalen Stiftungsrates, der seit 1975 die Geschicke des Spitals leitet, bin ich fast jedes Jahr für kurze Zeit in Lambarene. An einem Abend des Jahres 1986 besuchte ich die verdiente alte Krankenschwester Maria Lagendijk und verabschiedete mich spät von ihr. Wie ich es früher so gern getan hatte, ging ich auch in dieser Nacht noch durch das Krankendorf Jedes Haus kenne ich dort - an ungezählte Patienten erinnere ich mich. Ich stand vor dem grossen Behandlungsgebäude, das man die Grande Pharmacie nennt, und dann vor dem ehemaligen Frischoperiertenhaus. Dann stieg ich auf dem steilen Strässchen zwischen Gase Fang und Gase Galoa hinauf zum Hügel, wo früher die kleine Gase Golline stand neben dem Haus des alten Pflegers