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ALBRECHT DÜRER
Jugend und Lehre
Albrecht Dürers Persönlichkeit und Wesensart stellt man sich oft irreführend vor: Man denkt, wenn sein Name genannt wird, dann beinahe wie von selbst an Dürers in München aufbewahrtes, um 1500, die Halbjahrtausendwende, gemaltes Selbstbildnis. Da hat der Künstler sein Antlitz auf das Ideal eines edlen Christuskopfes hinauf-stilisiert und die Gesamterseheinung durch Tracht und breite gleichmäßige Verteilung der Haarmassen auf den Typus des machtvollen Renaissancemenschen. Man denkt vor diesem etwas feierlich gestalteten Gemälde, der Dargestellte, Albrecht Dürer, sei ein hochgewachsener breitschultriger Mann gewesen, von beherrschendem und mächtigem Eindruck, geistig bedeutend imd durch geistigen Ausdruck im Antlitz wohl auffallend, aber im übrigen auch körperlich eine Vollnatur von Saft und Kraft.
In Wirklichkeit sah Dürer nicht immer so aus, sondern nur, wenn er sich, wie hier, als einen Repräsentanten des goldenen Kunstzeitalters, für die Nachwelt, vor den Spiegel stellte. Sonst war er ein eher zarter Mann, vielleicht nicht sehr groß von Statur, sicher nicht sehr breit, sondern von schmächtigem Körperbau und mit schmalem Kopf. Ein Antlitz, das wir aus der Zeit kurz vor jener Münchener Malerei, mehrfach, 1494 und 1497, von ihm selbst gemalt, ja kennen: Zart im Spiel der feinen Flächen gegeneinander, eine edle, ausdrucksvoll gebuckelte Stirn, eine im Umriß schönfließend bewegte Nase, schöne, sehr sehr schöne, weim auch nicht sehr große Augen
mit melancholischem Blick, ein nicht großer, aber voller und sinnlicher Mund. Und dazu ein Paar sehr ausdrucksvoller Hände, schlank und edel, mit deutlich betonter Artikulierung an Handgelenk und Fingergelenk. Dahinter steht etwas anderes als ein Renaissance-Kraftmensch: eine ebenso empfindsame wie leidenschaftliche, eine ebenso scharfäugige wie sinnenfreudige, eine ebenso bedeutende wie liebenswürdige Natur. «Glühend und streng.»
Albrecht Dürer ist im Jahre 1471 an- 21. Mai in Nürnberg geboren, aber nicht aus einem lang dort eingesessenen Geschlecht. Sein Vater, auch Albrecht mit Vornamen geheißen, war ein Zugewanderter, im Jahre 1455 nach Nürnberg gekommen. Dessen Vater, Anthoni, lebte in Siebenbürgen, in Ungarn. Er stammte aus Aytos, wo seine Sippe als Bauern oder Handwerker saß, zog aber in das nahegelegene Städtchen Gyula bei Großwardein und ward Goldschmied. Auch der Vater des großen Dürer hatte, als er im Jahre 1455 sich in Nürnberg festsetzte, dieses Handwerk gelernt und es, nach beendeter Lehrzeit auf der Wanderung durch Deutschland und die Niederlande, wo er bei den größten Meistern des Faches studierte, zu nicht unbeträchtlicher Höhe ausgebildet. Anfangs in Nürnberg war er nur Geselle bei dem Goldschmied Hieronymus Holper. Im Jahre 1468, als angehender Vierziger, heiratete er die damals fünfzehnjährige Tochter seines Lehrherrn, Barbara Holper, die eine «hübsche gerade Jungfrau» war. Im Laufe seiner vierundzwanzigjährigen Ehe
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