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Kuno Mittelstädt - Albrecht Dürer [antikvár]
 
Als Albrecht Dürer am 21. Mai 1471 in Nürnberg als drittes von achtzehn Kindern des Goldschmiedes Albrecht Dürer geboren wurde, neigte sich in Deutschland mit dem Jahrhundert eine Gesellschaftsepoche ihrem Ende zu, die den Menschen mit dem Feudalsystem zugleich in das Dogma des christlichen Weltbildes, wie es von der römisch-pápstlichen Kirche verkörpert wurde, eingebunden hatte. Die Risse dieses Weltbildes traten immer deutlicher zutage, und schon wenige Jahre spáter, 1476, kündigte sich mit dem Auftreten des Bauernpredigers Hans...
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Bővebb ismertető
Als Albrecht Dürer am 21. Mai 1471 in Nürnberg als drittes von achtzehn Kindern des Goldschmiedes Albrecht Dürer geboren wurde, neigte sich in Deutschland mit dem Jahrhundert eine Gesellschaftsepoche ihrem Ende zu, die den Menschen mit dem Feudalsystem zugleich in das Dogma des christlichen Weltbildes, wie es von der römisch-pápstlichen Kirche verkörpert wurde, eingebunden hatte. Die Risse dieses Weltbildes traten immer deutlicher zutage, und schon wenige Jahre spáter, 1476, kündigte sich mit dem Auftreten des Bauernpredigers Hans Böheim aus Niklashausen offen jener revolutionáre Aufbruch an, der um die Jahrhundertwende in Bürger- und Bauernaufstánden den grófién gesellschaftlichen Umwálzungsprozefi einleitete, der in der Reformation seinen Ausdruck im religiösen Gewande und im Deutschen Bauernkrieg seinen entscheidenden Höhepunkt finden sollte: Er führte zum Durchbruch der frühkapitalistischen Gesellschaftspraxis in Deutschland mit einem Überbausystem, dessen Charakter im wesentlichen bürgerlich bestimmt war. Innerhalb weniger Jahrzehnte erlangte in diesem Prozefi das in zahlreiche Landesfürstentümer aufgesplitterte Deutschland die führende Rolle in der revolutionáren Entwicklung Europas, sein Vorbild wurde zum Mafistab und strahlte weit über die Landesgrenzen hinaus. Verbunden damit gewann auch die deutsche Kunst dieser Epoche, der so grofie Maler wie Albrecht Dürer, Matthias Griinewald, Hans Holbein d. J., Lucas Cranach d. A., Albrecht Altdorfer und viele andere ihr Gepráge gaben, eine in den internationalen Raum vorstofiende Becleutung: Indem die Künstler sich an die Seite der fortschrittlichen Kráfte stellten, gaben sie ihren Werken eine unmittelbare, mit der Zeit eng verknüpfte gesellschaftliche Wirksamkeit, die ihnen gleichzeitig durch leidenschaftlich-menschliche Anteilnahme, aufrichtigen Bekenntnischarakter und hohe künstlerische Meisterschaft bleibende Gültigkeit sicherte. Albrecht Dürer, dessen Werke schon bald nach der Jahrhundertwende in Italien und den Niederlanden ebenso bewundert wurden wie in seiner Heimat, bleibt auch hierfür beispielhaft. Nürnberg, die Geburtsstadt Dürers, im wirtschaftlich entwickelten Süden Deutschlands gelegen und mit etwa zwanzigtausend Einwohnern neben dem reichen, máchtigen Augsburg, wo die Fugger als Handels- und Bankleute residierten, von bedeutender wirtschaftlicher Kraft, war mit seinem vom reichen, privilegierten Stadtbürgertum bestimmten Leben für die Entfaltung der Künste und Wissenschaften sicher ein guter Náhrboden. Schon die Geburtsstátte Dürers, das Hinterhaus der Familie Pirckheimer in dem Nürnberger Stadtteil St. Sebald, láfit áufierlich die enge Verbindung zur tragenden Kulturschicht erkennen, verband doch den Maler mit Willibald Pirckheimer, dem spáter weithin bekannten Nürnberger Humanisten, eine lebenslange Freundschaft (deren überliefertes Dokument die Briefe des Künstlers wáhrend seiner zweiten Italienreise sind). Und auch die Tatsache, dafi der Taufpate der Verleger und Buchdrucker Anton Koberger war, der an der Spitze des in diesen Jahrzehnten gröfiten deutschen Verlagsunternehmens mit über einhundert Bescháftigten stand, macht recht anschaulich, in welche geistige Welt der Knabe hineinwuchs, der ab 1477 die öffentliche Lateinschule besuchte. Als der dreizehnjáhrige Albrecht Dürer 1484, im Jahr der Entstehung des mit Silberstift gezeichneten Selbstbildnisses, die Goldschmiedelehre bei seinem Vater antritt, ist dieser bereits Besitzer eines eigenen grófién Hauses in der Nürnberger Burgstrafie, wo Humanistenkreise, Rechtsgelehrte und Árzte, Buchdrucker und Patrizier das nachbarliche Bild bestimmen. Trotz der im allgemeinen noch praktizierten Zunftordnungen (alléin Nürnberg bildete hierin eine Ausnahme) spiegelt sich schon in diesen Verháltnissen die veránderte Stellung des Künstlers im stádtischen Gemeinwesen wider, die wachsende Anerkennung seiner Persönlichkeit, verbunden mit dem Bewufitwerden ihres eigenen individuellen Wertes und ihrer Verantwortung - deren Ausdruck auch die Gestaltung im Selbstbildnis ist, wofür gerade Dürer ein aufierordentliches Beispiel gibt. In diese Anerkennung des Künstlerstandes, die im Falle Dürers selbst in den bedrángenden Wirren der Zeit unerschüttert bleibt, ist eingeschlossen die Anerkennung der individuellen künstlerischen Leistung durch die entstehende bürgerliche Gesellschaft. Aus ihrem Schofi erwuchsen neue Auftraggeberkreise, aber auch Verháltnisse, die durch das Aufblühen eines Kunstmarktes Kunst und Künstler in mancher Hinsicht aus der unmittelbaren Abhángigkeit vom bisher kirchlichen oder feudalen Auftraggeber befreiten und es den Kiinstlern möglich machten, für einen zunáchst anonymen Káuferkreis ihre Werke zu schaffen - vor allém natürlich solche, deren Materialwert gering war und deren Herstellungstechnik eine vielfache Wiederholung gestattete. Die graphischen Techniken des Flolzschnittes und des Kupferstiches erlebten so folgerichtig eine Blütezeit. Die Möglichkeiten ihrer weiten Verbreitung führten gleichzeitig dazu, dafi nicht nur das Biirgertum, sondern auch die unteren Volksschichten mit ihnen inBerührung kamen, so dafi der gesellschaftliche Wirkungsraum der Einzelblátter und der Folgen praktisch unbegrenzt war. Hieraus ergab sich eine neue persönliche Verantwortung des Künstlers für die Wirkungen, die er mit den von ihm geschaffenen Werken erzielte. Aus dieser Verantwortung heraus wurde es ihm zu einem Hauptanliegen, sich in der Auseinandersetzung mit den Zeiterscheinungen im Sinne des Humanismus für echte Menschlichkeit, für das Wahre und Schöne einzusetzen und es auf seine Weise zu verteidigen, auch durch Gesellschaftskritik und Angriffe auf diejenigen, die das Menschenbild in der gesellschaftlichen Praxis verzerrten und entwürdigten.

Termékadatok

Cím: Albrecht Dürer [antikvár]
Szerző: Kuno Mittelstädt
Kiadó: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 240 mm x 270 mm
Kuno Mittelstädt művei
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