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Gefangen bei den MorosZannboanga(Süd-Philippinen), Mai 1973Der Koranlehrer war endlich eingeschlafen. Er lag ruhig unter dent Moskitonetz auf der Holzpritsche. Der Dschungel begann nur ein paar Meter hinter unserer Pfahlhütte. Das gesteigerte Trommeln und Surren der Insekten kündigte den nahenden Tag an. Die drei Kollegen des Kamera-Teams hatten sich gegen Mittemacht übermüdet und verschwitzt auf die Bambusmatte geworfen und waren tief entschlummert. Ich war allein mit der schwülen Nacht der süd-philippinischen Insel Basilan und mit meiner Sorge um die kommenden Stunden. Der Zettel, den der Koranlehrer mir heimlich zugesteckt hatte, signalisierte die Gefahr. Wir wurden für Agenten des amerikanischen Geheimdienstes CIA gehalten, und wenn es uns nicht gelang, diesen Verdacht zu entkräften, blieben nur geringe Chancen, das Fischerdorf Tuburan - wo v^r seit achtzehn Stunden gefangengehalten wurden - lebendig zu verlassen. Die philippinischen Wachen mit ihren M i6-Gewehren kauerten vor der Holztreppe zu unserem improvisierten Haftlokal. Das Gespräch dieser aufständischen Moslem-Partisanen, Moros genannt, war immer einsilbiger geworden und am Ende ganz verstummt. Die Aussichten, den malaiischen Stam-meskriegem zu entkommen, waren äußerst gering. Wir waren auf unseren Auslegerbooten in Segeltuchschuhen nach Tuburan gekommen, und der Fluchtweg hätte über messerscharfe Korallenriffe längs des Strandes nach Südwesten geführt, wo die Vorhuten der philippinischen Armee erst bei La-mitan, mehr als dreißig Kilometer entfernt, standen. Bis dahin hätte man uns eingeholt.Der Koranlehrer hatte sich wde ein Kind zusammengerollt. Mit Ustaz, mit Professor, redeten die Leute seines Heimatbezirks am Rande der Provinzhauptstadt Zamboanga ihn an. Er hatte uns diese fatale Situation eingebrockt, uns unwissentlich in diese Falle gelockt. Tagelang hatten wir versucht, Kontakt zu den süd-philippinischen Rebellen aufzunehmen, deren Organisation ganz offiziell den Namen Moro Liberation Front trug. Die Moros hatten sich gegen die Zentralregierung des Präsidenten Marcos in Manila erhoben und widmeten sich mit abenteuernder Begeisterung dem Heiligen Krieg. Im Night Club New Vinta in Zamboanga waren wir an Freddy verwiesen