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Das Haus der tausend Töne
Der Abschied fiel Katarin leicht. Ihre neuen Schuhe mit den hohen Absatzen klapperten ungeduldig über das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes. Sie übersah ihren Freund, den altén Apotheker, der vor der Apotheke mit ihrer mittelalterlichen Fachwerkfassade stand und ihr zuwinkte. Sie sah nicht, wie freundlich und anhei-melnd die altén winkligen Háuser unter dem wolkenlosen tief-blauen Himmel standén, wie vertraut und heimatlich alles war, béréit, ihr Schutz zu gewáhren. Sie wollte nur fort, endlich fort, sonst kam am Ende noch etwas dazwischen.
Die Septembersonne wármte wie im Hochsommer. Zu Hause im Garten blühte es in leuchtenden Farben. Gestern hatte sie einen ganzen Arm voll Blumen gepflückt und war damit hinausgegangen zum FluB. Hoch von der Brücke hatte sie die ganze Pracht ins Was-ser geworfen und dann den Blumen nachgesehen, die kleiner und kleiner wurden, weggetragen von der Strömung, und schlieBlich als bunter Farbfleck in der Ferne verschwanden. Sie gab dem Spiel giné symbolhafte Bedeutung und geriet in ein Hochgefühl, das sie zu Tranen erregte. So wie die Blumen fortglitten ins Unbekannte, so würde auch sie in eine fremde Welt gehen, in das wirkliche Leben, wie sie es nannte. Daran dachte sie nicht, daB Enttáuschung und Schmerz sie erwarten könnten, daB sie die sorglose Unschuld ihrer Kindheit in den Strom warf und noch nicht wuBte, was sie da-für eintauschen würde.
Sie wuBte nur, daB sie es habén wollte, dieses unbekannte Leben, sei es nun freundlich oder feindlich. Alles, dachte sie lei-denschaftlich, alles will ich habén! Das Ganze, ohne Einschran-kung!
Auf dem Bahnsteig, ehe der Zug kam, begann die Mutter noch einmal mit ihren Ermahnungen. Katarin hörte nicht zu. Mitleidig betrachtete sie ihre beiden Schwestern. Die áltere, die verheiratet