VORWORTWenn der 1977 erschienene Roman von Erika Mitterer Alle unsere Spiele" nach mehr als zwanzig Jahren wieder neu aufgelegt wird, geschieht dies nicht nur, um eine große, bereits hochbetagte österreichische Erzählerin und Lyrikerin dem Vergessen, dem sie bei jüngeren Menschen unserer raschlebigen Zeit anheimzufallen droht, zu entreißen und erneut vorzustellen, sondern auch wegen der Vergangenheitsaufarbeitung, die in diesem Roman in exemplarischer Weise geleistet wird. Denn so paradox es anmutet: je mehr Zeit verstreicht, desto...
VORWORTWenn der 1977 erschienene Roman von Erika Mitterer Alle unsere Spiele" nach mehr als zwanzig Jahren wieder neu aufgelegt wird, geschieht dies nicht nur, um eine große, bereits hochbetagte österreichische Erzählerin und Lyrikerin dem Vergessen, dem sie bei jüngeren Menschen unserer raschlebigen Zeit anheimzufallen droht, zu entreißen und erneut vorzustellen, sondern auch wegen der Vergangenheitsaufarbeitung, die in diesem Roman in exemplarischer Weise geleistet wird. Denn so paradox es anmutet: je mehr Zeit verstreicht, desto intensiver wird die Beschäftigung mit diesem Stück Zeitgeschichte, die in vielfaltiger Weise auch noch in unsere Gegenwart hineinragt. Erst in der Distanz sind viele in der Lage, die Vergangenheit positiv und negativ voll zu würdigen.Es gibt genügend Beispiele, die belegen, dass erst eine jüngere Generation, die diese Periode nicht selbst erlebt hat, in der Lage ist, ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Allerdings bedürfen die Angehörenden dieser unbelasteten Generation der Anleitung und Hilfestellung durch Zeitzeugen, ohne sich mit deren Zeugnis, das wie jede Zeugenaussage auch befangen und zeitblind sein kann, zu identifizieren.Erika Mitterer lässt eine Familiengeschichte vor uns erstehen, die zugleich ein Stück Kriegs- und Nachkriegsgeschichte ist. Der Krieg mit all seinen schrecklichen Begleiterscheinungen und Folgen spielt darin ebenso eine Rolle wie das Problem der Anpassung an ein mörderisches Regime und des Widerstandes gegen dessen Zugriff. Es werden uns Schicksale vorgeführt, die mit dem Krieg, dem Kriegsende und der Nachkriegszeit zusammenhängen.Die Befreiung Österreichs wird in diesem Zeitgemälde ebenso thematisiert wie Besetzung und Bedrückung, die mit Gewalt, und im konkreten Fall auch mit Vergewaltigung, einherging.
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