Bővebb ismertető
Der Tag war herbstlich kühl, an dem Michael Sporer in die elterliche Firma eintreten sollte, noch ohne Vollmachten zwar, aber doch als designierter Nachfolger seiner Mutter. Die Wolken hingen tief und verbargen die Gipfel der bewaldeten Berge, die die kleine Stadt Hainau umgaben.
Es war ein trüber Morgen, aber das änderte nichts an Michaels Hochstimmung. Er hatte ein Ziel erreicht, auf das er viele Jahre, ja, eigentlich sein ganzes fünfundzwanzigjähriges Leben lang vorbereitet worden war.
Die Straßen der Innenstadt waren altertümlich eng, und gerade morgens staute sich dort der Verkehr, so daß die Sporers, wenn sie von ihrem Privathaus zur Fabrik fuhren, die Umgehungsstraße bevorzugten.
»Langsamer, bitte«, mahnte Michaels Mutter, die auf dem Bei-fahrersitz saß.
Er lachte. »Nur keine Bange! Fahren kann ich!« »Ich weiß, ich weiß.« Helene Sporer musterte im Spiegel der Sonnenblende ihre tadellos sitzende Frisur. »Aber ich kann die Raserei nun mal nicht gut vertragen.«
Ihm fiel ein, daß sie vor einem Jahr einen leichten Herzinfarkt erlitten hatte.
»Verzeih, aber ich vergesse immer wieder . . . Kein Wunder, so wie du aussiehst!«
»Ich fühle mich auch wohl, aber das besagt gar nichts.« Helene Sporer tupfte sich mit einem Papiertaschentuch überschüssige Farbe von den hellrot nachgezogenen Lippen. »Doktor Vogelsang sagt, daß es wieder passieren kann, wenn ich nicht sehr gut auf mich achtgebe.«
»Ach der! Du solltest gar nicht auf ihn hören, Helene!« Michael und auch seine Schwester pflegten die Mutter seit dem Tod des Vaters mit dem Vornamen anzureden; sie hatte es gern, ohne ihnen damit das Recht einzuräumen, sich mit ihr auf die gleiche Stufe zu stellen: »Wenn du mich fragst, wirst du hundert Jahre alt!« Der junge Mann sagte es leichthin, ohne es zu glauben oder auch nur zu hoffen, denn seine Mutter noch als tyrannische Greisin zu erleben, war das letzte, was er sich wünschen konnte.
Dennoch hielt sie es für nötig, ihn zurechtzuweisen. »Ich habe es mir zur Regel gemacht, mich an den Rat von Fachleuten zu halten!« erklärte sie. »Also auch an das, was die Ärzte sagen.