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LEO BAECK Zeiten und Tage Die Menschlieit lebt, seit sie zu denken begann, von einigen wenigen Fragen. Immer wieder ringt der menschliche Geist mit ihnen. Wie nach dem altén jüdischen Worte der Zug des Geschehens ist, daB ein Rad durch Welt und Zeit hindurch zieht, ein Oben immer wieder und immer wieder ein Untén, so ist es im Ganzén der Ideen. Sie steigen auf und nieder. Nachdem sie die Tage erfaBt hatten, nachdem Gemüter mit ilmen gekámpft, versinken sie und sind verklungen, um dann wieder, wenn die Zeit gekommen, im Kreise des Gesichts zu erscheinen und wieder die Antwort zu verlangen. Es sind die altén Gedanken, und was dem neuen Tag gegeben wird, ist nur, daB er neu sie suche und neu sie dann forme. Das ist Gottes Werk: er hat geschaffen, daB es fort und fort die Wege gehe. Was ist weiter erlangt worden, seit er die ersten Fragen gebildet ? Seit die Menschheit zu erfahren anfing, erlebt sie dieselben Geschicke. Sie kommen und gehen: das Leid und die Freude, das Rangén und das HofFen, die Enttáuschung und die Erwartung, das Abseits und die Verbundenheit. Sie ziehen empor und ziehen hinab. Immer wieder wird der Mensch geboren, und sie sind dieselben in ikren Zeiten. Niemand, wer immer er sei, kann ein neues Schicksal festlegen. Erst wenn das geschahe, daB Menschen hergestellt würden, in menschlieher Absicht durch Hánde und Werkzeug, dann gábe es ein Bleiben dessen, was Menschen in ihrem Tage bestimmen. Solange der