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Infektionskrankheiten
Zur Pockengefahr
Von Professor Dr. F. O. Höring, Berlin
Nach den mehrfachen Pockeneinsdileppungen der letzten Jahre in Deutsdiland sollte sich jeder Arzt einmal die Frage stellen, wie er sich selbst verhalten würde, wenn er derjenige wäre, der einen soldien Fall als erster zu Gesicht bekäme. Zwei Grundregeln sind zunächst vorauszustellen:
1. Immer daran denken, daß so etwas heutzutage möglidi ist.
2. Hat man den Verdacht, muß man unverzüglich handeln.
Beispiel 1: Ende Juni 1943 als Beratender nadi Saloniki kommandiert, hatte ich am ersten Abend dort vom Hygieniker erzählt bekommen, daß die grie-chisdien Gesundheitsbehörden an der türkischen Grenze Podcenfälle unter Zigeunern gemeldet hätten, was kaum von größerer Bedeutung für uns (300 km entfernt) erschien. Man habe aber diese Zone für die deutsche Wehrmacht gesperrt. Am nächsten Tag nadi Visite im Infektionslazarett in Saloniki erzählte mir der Lazarettarzt beim Abschied, er hätte mir übrigens einen Fall von abklingenden Windpocken wegen Belanglosigkeit nicht gezeigt. Der Groschen war gefallen! Ich kehrte sofort um, abgeschnallt, Kittel wieder an. I.Frage: Welche Einheit? Antwort: Fahrer beim Heeresgruppenstab. 2.Frage: Wann zuletzt an der türkischen Grenze? Antwort: Vor 18 Tagen mit General X.! Es war ein einwandfreier Varioloisfall, der erste von den sich dann anschließenden etwa 20 Fällen bei deutschen Soldaten.
Keineswegs nur wegen der Möglichkeit einer Pockenerkrankung, son- Au»land>-
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dem auch aus vielerlei Gründen sollte der Arzt heutzutage seine AnamnMe Patienten nach kürzlich durchgeführten Auslandsaufenthalten fragen, besonders wenn eine akute fieberhafte Erkrankung vorliegt, und sich bejahendenfalls sofort auch für das benutzte Verkehrsmittel interessieren. Zuweilen ist auch die Frage berechtigt, ob andere Angehörige der Wohngemeinschaft eine solche Reise kürzlich hinter sich brachten. Wird solches bejaht, so sind außer dem bereisten Land vor allem das genaue Datum von Abreise, Flugdauer und Ankunft wissenswert.
Nur bei Masern ist die Inkubationszeit ähnlich konstant und normiert wie bei den Pocken, wo sie beim nie Geimpften stets 12 Tage beträgt. Stimmen die Reisedaten und der Fieberbeginn nicht mit diesen 12 Tagen überein, wird der Infektionsverdacht schon viel ge-