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VorwortUnberührte Natur ist für mich Mysterium, eine unbegreifbare Erfahrung. Das Recht auf diese Erfahrung aber ist ein Grundrecht, nicht minder wie das Recht auf Besitz oder Sicherheit. Wiidnis ist auch ein Zustand des Verstandes, des Gefühis und des Herzens.Anseim Adams25 Jahre lang wanderten viele Bergfreunde zwischen Grenoble und Wien Von Hütte zu Hütte; nun sollen Sie es mit diesem Buch Hüttenwandern. Das Tun an sich ist das gleiche geblieben, aber in diesem Zeitraum hat sich das Umfeld der Bergsteigerei grundlegend verändert. Da ist vor allem die kaum faßbare Zahl der Menschen zu nennen, die es heutzutage alljährlich in die Alpen zieht: Standen früher fünf Bergsteiger an einem schönen Tag auf einem Gipfel, so sind es heute 50; zählten die Hüttenwirte damals die Gäste einer Saison nach Hunderten, so geht es heute um Tausende. Die Tatsache, daß Bergsteigen sich zu einer Massenbetätigung entwik-kelte, hatte Auswirkungen auf Motivationen und Erlebniswert: Lockte die Bergsteiger früher die Einsamkeit, so geben sich heute viele schon mit dem Gefühl des Anders-als-die-Mas-se-sein-Wollens zufrieden. Sahen damals viele ihre romantische Vorstellungswelt in der alpinen Urlandschaft bestätigt, so bewertet man Bergsteigen heute nüchtern als sinnvolle Freizeitgestaltung oder gar als Sport. In der Zeitspanne von zweieinhalb Jahrzehnten verwandelten sich Bergsteiger-Schutzhütten in Aipin-Center, ursprünglich gebliebene Talböden in Stauseen, Bergpfade in Panoramastraßen, Gletscher zu Spielplätzen der Skisüchtigen Trotz alldem haben sich die Alpen ihre Einzigartigkeit bewahrt, nirgendwo sonst bietet sich Bergsteigern ein so vielfältiges Betätigungsfeld wie hier. Dieses Buch richtet sich an die große Gruppe derer, die auch auf Jöchern Gipfelgefühle genießen können. Es stellt 52 alpine Höhenwege und Über-gänge vor - zwischen den italienischen Seealpen und dem österreichischen Wienerwald - und vermittelt in Bildern, knapp beschreibendem Text, Karte sowie einer Zusammenfassung der wichtigsten Daten den Charakter jeder Route.Die Hälfte der Touren wurde - kritisch überprüft - dem alten Band Von Hütte zu Hütte entnommen: Auf diese meist klassischen Wege zu verzichten, wäre eine Torheit gewesen! Weitere 13 Tourenvorschläge aus dem alten Bestand wurden in der Wegführung - zum Teil erheblich -geändert. Schließlich wurden 13 Touren völlig neu aufgenommen, von der hochalpinen Seealpen-Runde bis zur Wanderung am Lasörlingkamm, die mit einigen weglosen Abschnitten überrascht.Die Au?wahl reicht vom unproblematischen Bummel im Vorgebirge bis zur Hochtour im vergletscherten Alpenhauptkamm, wo ein hohes Maß an Erfahrung, Verantwortungsbewußtsein und technischem Können erforderlich ist. Felskletterei im niedrigsten Schwierigkeitsgrad (I) verlangen nur ganz wenige Ausnahmen; bei einigen Touren mit Felspassagen sind diese Stellen mit Drahtseilen, Eisenstiften oder -klammern gesichert. Ausdrücklich sei betont, daß die meisten Übergänge und Wege nur für geübte, ausdauernde und trittsichere Bergwanderer bestimmt sind, die vor allem den Gefahren der Höhe, der Ausgesetztheit und stets möglicher Wetterstürze zu begegnen wissen. Dabei kommt der Frage der exakten Vorbereitung durch Führer- und Kartenstudium sowie der richtigen Ausrüstung entscheidende Bedeutung zu. Dieses Buch kann keinen Führer er-setzen! Es soll lediglich interessante Anregungen geben. Sämtliche Gehzeiten sind Anhaltspunkte für den geübten Bergwanderer, also nicht zu reichlich bemessen. Man bedenke, daß sich eine Tour aufgrund verschiedener Faktoren beträchtlich verlängern kann!Noch ein paar Zeilen zu den Hütten: Alle genannten Hütten sind - sofern nicht ausdrücklich anders vermerkt -in den zum Bergsteigen geeigneten Sommermonaten geöffnet und bewirtschaftet; dies trifft mittlerweile auch auf die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) zu, die sich aber gleichzeitig noch ihre traditionell strengere, an den Bedürfnissen der Hochalpinisten ausgerichtete Disziplin erhalten haben. Sollten zu diesem Bereich zusätzliche Fragen auftreten, so sei hier auf die Fremdenverkehrsbzw. Gemeindeämter in den Talorten verwiesen oder auf die telefonisch erreichbaren alpinen Auskunftsstellen der Alpenvereine (z.B. beim DAV in München, Tel. 089/294940). Bei allen Änderungen an Inhalt und Form dieses Buches soll doch der Satz, mit dem das Vorwort des Bandes Von Hütte zu Hütte begann, unverändert Gültigkeit besitzen: Wer nicht partout auf hohe Gipfel und steile Wände zielt, wen Schicksal oder Alter angeschlagen haben in seinem Ehrgeiz oder wem es ganz einfach nur aufs Wandern, Steigen und Schauen in einer großen Urlandschaft ankommt, um daraus - nach einem alten Goethe-Wort - große Gedanken zu gewinnen, der sollte an diesem Buch seine Freude haben.Walter Pause Michael Pause