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Uhr und Zeit
Das Paradoxe an der Uhr ist, daß sie, das rationellste aller Räderwerke, mit der Zeit und also mit dem Geheimnisvollen zu tun hat. Denn die Zeit, welche unsere Existenz begründet und doch in Frage stellt, rührt ja ständig an etwas, das wir nicht denken, nur ahnen können — an die Ewigkeit. Darum haben unsere Gedanken diesen sonderbaren Gegenstand, die Uhr, stets umspielt und zum Symbol erhoben.
Von weitem gesehen, ist unser Weltall, mit den im Dunkel rollenden Silberkugeln, ein Uhrwerk. Jahre, Monde, Tage, Stunden — wir sind als Menschenmikroben auf einem Weltenuhrwerk angesiedelt und tragen also, um uns stets orientieren zu können, dessen verkleinertes Abbild in der Tasche. Von tausend Observatorien wird dieses Weltenuhrwerk pausenlos betrachtet, aber auch auf allen Kirchtürmen, an allen Handgelenken, in allen Westentaschen findet sich seine graphische Skizze, und sie wird immer wieder zu Rate gezogen. Und dieses Weltall-Symbol, die Uhr, wirkt so faszinierend, daß unsere Denker zuzeiten alles als Uhrwerk haben ansehen wollen. Doch als der große Cartesius einmal die Tiere als Maschinen bezeichnete, da reichte ihm Königin Christine ihre Taschenuhr mit der Aufforderung, er solle die sich mal fortpflanzen machen! Das ist es: Uhren können einander nicht lieben, wenn auch das gravitierende Einander-Umschweben der Himmelskörper im Gedichte so gedeutet wurde — „Sterne, die sich himmellang umwarben . . ." Später kam die Zeit des Deismus, wo man sich das Weltall als eine Art Taschenuhr des Schöpfers vorstellte — der Finger Gottes hatte diese Uhr einmal aufgezogen, und nun lief sie allein weiter. Aber noch später kam die Zeit des Atheismus, und dem entspricht die neuerfundene atheistische Uhr, nämlich jene, die sich von selbst aufzieht. So sah man die Welt: ohne Anbeginn, ohne Ende; seit jeher und für immer um sich selbst kreisend.
Doch er selber, der uhrenersinnende Mensch, wurde immerhin geboren und mußte sterben. Die ältere Uhr, nämlich das Stundenglas mit dem ausrinnenden Sande, bildete diese uns zugemessene Lebenszeit besser ab als die kreisende Zeigeruhr, und darum wurde der Tod mit jener abgebildet: mit Stundenglas und Hippe. (Denn Vater Chronos und Freund Hein führen als Utensil dieselbe Sense.) Bekanntlich ist die Taschen-