Gute alte Zeit: Oma und Opa im Kreis der Familie, glücklich strahlende Gesichter. Verklárte Vergangenheit: Vor 2000 Jahren hat man die altén Menschen, als sie nicht mehr beiíSen konnten und es noch keine Zahnárzte gab, die ihnen Gebisse machten, erschlagen, weil sie sich nicht mehr ernáhren konnten. So hat man es ein paar Jahrhunderte spáter schon für einen Fortschritt gehalten, dass alte Menschen, die kein Fleisch mehr beiSen konnten, weiterleben durften. Leben? Wenn der Alt-Bauer der schweren körperlichen Arbeit nicht mehr gewachsen...
Gute alte Zeit: Oma und Opa im Kreis der Familie, glücklich strahlende Gesichter. Verklárte Vergangenheit: Vor 2000 Jahren hat man die altén Menschen, als sie nicht mehr beiíSen konnten und es noch keine Zahnárzte gab, die ihnen Gebisse machten, erschlagen, weil sie sich nicht mehr ernáhren konnten. So hat man es ein paar Jahrhunderte spáter schon für einen Fortschritt gehalten, dass alte Menschen, die kein Fleisch mehr beiSen konnten, weiterleben durften. Leben? Wenn der Alt-Bauer der schweren körperlichen Arbeit nicht mehr gewachsen war, dann musste er ausziehen - ins Austragsháuserl, wie es in Bayern heifét. Das war kein komfortabler Ruhesitz, sondern ein eher spartanischer Platz, ein Wartezimmer vor dem Tod. In dieser Hütte békám der Austragsbauer sein Gnadenbrot, Milch, Kartoffeln und Eier. Je náher man wohnt, umso weniger Kontakt hat man. Die Austragsháuserl waren die gröfite soziale Aussperrung, die es je gegeben hat, und das passierte direkt vor dem Haus. Heute organisieren wir das Abwickeln des Restlebens altér Menschen in gröSerem Stil, Es ist ein eintrágliches Gescháft geworden, von dem eine Vielzahl von Unternehmen profitiert: von der Pharmaindustrie über die Heimtráger bis hin zu Fahrdiensten. Was aber habén die pflegebedürftigen Menschen davon, die wir zu zweit in Zimmer mit vorgeschriebener MindestgröEe sperren? Sie bekommen das vierdimensionale Sittengesetz zu spüren: der Sozialstaat über dir, die Verwirrtheit in dir, die Rentenkürzung hinter dir, das Krematorium vor dir. Daran hat sich auch 20 Jahre nachdem ich mich mit Jochen Steffen im Scheibenwischer mit der Situation altér Menschen bescháftigt habe, nichts geándert. Im Gegenteil, es ist eher schlimmer geworden. Egoismus und Raffgier nehmen immer mehr zu. Die jungen Leute habén immer weniger Lust, ihre altén Eltern mit über die Rundén zu bringen. Wir hátten uns schon lángst Gedanken ma-
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