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Wandel und Tradition Die Geschichte der Kunst folgt in Afrika Ianderen Bahnen als in Európa. Die Kunst Afrikas steht scheinbar unveranderlich in Rauin und Zeit. Die Kunstgeschichte Europas hingegen wird bestimmt vom unaufhörlichen Wandel. Im Austausch mit fremden Kulturen empfing Európa immer wieder neue Anregungen und eignete sich neue Kunstformen zum Ausdruck eigener Werte an. Die Romanik schöpfte aus dem iranisch-byzantinischen Érbe. Persisch-islamische Formen bereicherten die Gotik. Das SelbstbewuBtsein der italienischen Stádte schuf in der Wiederbelebung antiker Traditionen die Renaissance. Der idealisierende Realismus der Antiké entsprach der Geisteshaltung des italienischen Stadtbürgers. Das Erieben der groBen Kunst Indiens fand seinen Niederschlag in der Formenwelt des Barocks. Der Dresdener Zwinger und die himmelstürmenden Türme Venedigs, die russischen und süddeutschen Zwiebeltürme sind indischen Vorbildern nachempfunden. Rembrandt kopierte indische Miniatűrén, deren Formen in den groBen Werken des Meisters wiederkehren. Das Rokoko zeigte seine ostasiatischen Einflüsse in den Chinoiserien, Porzellanen und verspielten Pavillons. Die bürgerliche Revolution griff wieder auf die Antiké zurück. Dem Konsul Napoleon entsprach das Empire, das in den Funden von Pompeji Anregungen und Vorbilder fand. Der hohle Machtanspruch der Herrscher von Gottes Gnaden des 19. Jahrhunderts fand im Neoklassizismus mit der Nachbildung römischer Kunst der Kaiserzeit seinen künstlerischen Ausdruck. Vorbild und Ideál des Jugendstils waren die groBen Entdeckungen Arthur Evans' auf Kréta. Im Impressionismus löste das Zusammenspiel der Farben die Form auf, wie einst die Eiszeitkunst von Altamira.1 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandte sich Európa erstmals afrikanischen Vorbildern zu, nachdem es Jahrhunderte hindurch antiken und asiatischen Anregungen gefolgt war. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erschütterte eine tiefgehende Krise das Geistesleben Europas. Künstler und Wissenschaftler suchten neue Formen zum Ausdruck ihrer widersprüchlichen Gefühle und Anschauungen, die in den altén Kunstformen nicht darzustellen waren. Sie fanden sie in der afrikanischen Folklore. In den Museen und Sammlungen entdeckten sie eine