Bővebb ismertető
Älteste VölkerVorwort zur ergänzten und redigierten GesamtausgabeGeschichte ist der Bericht von dem, was geschehen ist. Also die Lehre der Tradition.Hunde und Schweine haben keine Geschichte. Auch Meertang, Felsen, Tannen oder Butterblumen sind lediglich Fakten der Gegenwart und haben keine Geschichte in unserem Sinne. Sie leben eingebettet in eine Entwicklungsgeschichte, die ihnen selbst nicht bewußt ist und die ihnen erst vom forschenden Menschengeist zugesprochen wird.Wir Menschen haben nun in unserer eigenen, unendlich langen Entwicklung einen Punkt erreicht, an dem progressive Kräfte bestrebt sind, sich von Tradition und Herkommen zu lösen, die materielle, naturgeschichtliche und biologische, nicht aber die geistig-seelische Vergangenheit zu akzeptieren und die Bahn in eine ideologisch erdachte Zukunft dadurch freizumachen, daß sie das Geschichtsbewußtsein zerstören und die Erinnerung an Geschichte möglichst löschen wollen.Völker - und das gilt auch für moderne Kultur kreise -, die sich mühen, Geschichte zu vergessen oder zu negieren, sind wie Bäume ohne Wurzeln, Lebensorganismen im leeren Raum, Wesen ohne bewußte Vergangenheit und damit auch Schimären einer irrealen Zukunft. Das 20.Jahrhundert n.Chr. hat die bisher unbekannten Bereiche der Tiefenpsychologie entdeckt und sucht eifrig die Deutungen gegenwärtigen Verhaltens oder menschlicher Persönlichkeitsentfaltung beim Individuum in den Abgründen von Vererbung, früher Prägung und Vorprogrammierung im Unbewußten.Wir wissen heute, daß die entscheidenden Formungen der Seele in den ersten Jahren der Kindheit erfolgen. Kein Individuum ist ganz zu verstehen und in seinen Verhaltensweisen zu erklären ohne Analyse von Erbmasse und früher Vergangenheit.Diese Erkenntnis gilt jedoch ebenso für Völker, Rassen und Kulturkreise.Denn nur aus dem, was vordem geschah: aus Volkscharakter und Gesellschaftsprägung in längst vergangenen Jahrtausenden setzt sich das Wachstum der Geschichte fort. Auch Revolutionen sind keine Mutationen, sondern nur Formen der Geschichtsentwicklung.Nihilismus jedoch bringt mit der Verneinung des Gewesenen auch die Unmöglichkeit einer überschaubaren Evolution und damit den Aufbruch ins Vakuum.Wenn wir von der Geschichte des Menschen sprechen, so müssen wir an dem Punkte beginnen, an dem die reine Entwicklungs- oder Naturgeschichte in die des menschlichen Wesens überzugehen beginnt: also bei jenem großartigen Moment des 6. Schöpfungstages, den Michelangelo im Deckengemälde der Sixtina darstellt.