Bővebb ismertető
Die 1904 unter dem Titel „Les Primitifs français" veranstaltete Pariser Ausstellung wirkte geradezu als Offenbarung. Henri Bouchot, der erstmals die bis dahin der breiteren Öffentlichkeit noch kaum bekannten Schöpfungen der französischen Malerei des Mittelalters zu dieser lehrreichen Ausstellung zusammengetragen hatte, bewies durch die Auswahl einen scharfen Blick und ein richtiges Gefühl für die großen Persönlichkeiten unter den frühen französischen Malern, woran auch der Umstand nichts ändert, daß die eine oder andere seiner damaligen Zu -Schreibungen inzwischen anhand der neueren Forschungsergebnisse berichtigt wurde. Die Ausstellung weckte nicht nur das Interesse für ein zuvor mehr oder weniger vernachlässigtes Gebiet der Kunstgeschichte, sondern zeichnete zugleich der einschlägigen Forschung die in nächster und fernerer Zukunft zu lösenden Aufgaben vor. Sowohl diese Schau als auch die gelegentlich der Pariser Weltausstellung 1937 veranstaltete Ausstellung „Les Chefs-d'ouvre de l'art français" erschütterten ein wenig die in der Fachliteratur für mittelalterliche Malerei lange Zeit fest verankerte Vormachtstellung der Italiener, Niederländer und Deutschen. Sie rückten die ihren flämischen und italienischen Zeitgenossen ebenbürtigen Maler, wie den Meister von Moulins, den Meister der Pieta von Avignon, Jean Fouquet und andere, ins Rampenlicht des Interesses.
Der vorliegende Band soll eine Ubersicht über den Entwicklungsgang der französischen Malerei in den rund zweieinhalb Jahrhunderten zwischen Mitte des 13. und Anfang des 16. Jahrhunderts geben, in einer stürmischen, an Wechselfällen reichen, für das weitere Schicksal des Landes entscheidenden Zeitspanne, aus deren blutigen Wirren das unter der königlichen Zentralgewalt geeinte Frankreich hervorging. Es war die Zeit, in der sich die Kapetinger gegen die übermächtigen Vasallen zu behaupten hatten und sich die ihnen folgenden Valois in den Hundertjährigen Krieg mit England (1339-145 3) verstrickt sahen, in dem es nicht mehr allein um dynastische Interessen, sondern um die Existenz des Landes ging. Vom äußeren Feind heftig bedrängt, mußte sich das Königshaus auch der großen, nach Selbständigkeit trachtenden Herzöge — mit einigen verbündete sich der König zuweilen gegen andere —, des Einspracherechts der Kirche sowie des aufsässigen Bürgertums erwehren und Bauernaufstände niederschlagen. Inmitten dieser inneren Wirren und Kriegshandlungen, die Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des aus vielen Wunden blutenden, gespaltenen Landes arg in Mitleidenschaft zogen, blühte die Kultur, und es entstanden unvergleichliche und unver-