Bővebb ismertető
Dionysos, Alexander und die Jumbo JetsDie andere WirklichkeitAls ich i960 zum ersten Mal nach Indien flog, geschah es mit vielen Zwischenlandungen in einer Propellermaschine. Die Stationen hießen Rom, Kairo, Doha - ein Wüstenflugplatz auf der arabischen Seite des Persischen Golfs. Die nächtliche Landepiste war an Stelle elektrischer Lampen mit offenen ölfeuern beleuchtet.Hier schon zeigt unsere Erde ihr zwiespältiges Gesicht: Beduinenzelte -die arabische Wirklichkeit von gestern und heute daneben Bohrtürme, die öl für eine ferne, technisch perfekte Welt liefern, aus der auch ich komme, um in Asien den Ursprüngen menschlichen Denkens und Glaubens nachzuspüren.Je weiter wir nach Osten fliegen, um so größer wird nicht nur der räumliche, sondern auch der geistige Abstand von Europa. Selbst die Souvenirläden auf den Flughäfen machen deutlich, daß wir das Abendland weit hinter uns gelassen haben. Folklore, die längst Massenproduktion für Touristen geworden ist, vermittelt den Eindruck des Exotischen, der durch Türwächter im Turban und verschleierte Frauen verstärkt wird. Die Welt des Islam, die Europas uralte Verbindungen mit Indien für Jahrhunderte unterbrochen hat, wirkt auch heute noch wie eine Barriere vor jener ganz anderen Wirklichkeit, der wir dann in Indien begegnen, wo der Islam zwar eine mächtige, aber keineswegs die entscheidende Rolle spielt. Viel stärker spürt man in diesem Land die Allgegenwart des Hinduismus und seiner mehr als 500 Götter, die für Millionen von Gläubigen lebendig sind als bildhafte Gegenwart, der sich niemand entziehen kann. Wenn es etwas gibt, was das indische Volksleben prägt und im Alltag des Inders vielgestaltig in Erscheinung tritt, dann sind es Ausdrucksformen des Religiösen. Wir erleben sie in Varanasi, dem einstigen Benares, am heiligen Ganges. In Tempeln und an den Verbrennungsgats, wohin die Sterbenden mit letzter Kraft streben, sind sie genauso gegenwärtig wie bei den großen Festen in der heiligen Stadt oder auch fern von hier, tief im Süden - im prächtigen Tempel von Madurai, wo Hunderttausende zusammenströmen, um bei ihren Göttern zu sein.Selbst in einsamen Bergtälern Assams oder auf den dünn besiedelten