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THEODORE DREISER
Crum-Lake
Clydes Gedanken über Roberta und seine Stellung in Lycurgus überhaupt waren um jene Zeit größtenteils sehr unklarer und verworrener Natur. Hatte ihn Gilbert nicht vor einem Umgang mit den hiesigen Arbeiterinnen gewarnt? Andererseits war sein tägliches Leben gesellschaftlich genau das gleiche wie bisher. Abgesehen davon, daß ihn seine Übersiedlung zu Mrs. Peyton in eine bessere Gegend und Straße gebracht hatte, ging es ihm eigentlich nicht so gut wie bei Mrs. Cuppy. Denn bei dieser wäre er wenigstens mit recht unterhaltsamen jungen Leuten in Berührung gekommen, wenn er es für klug gehalten hätte, mit ihnen zu verkehren. Aber bis auf Mrs. Peytons gleichaltrigen unverheirateten Bruder und ihren dreißigjährigen mageren und verschlossenen Sohn, der in einer der Banken von Lycurgus angestellt war, kannte er jetzt niemanden, mit dem er hätte verkehren können oder wollen. Und wie alle vermuteten auch diese, daß seine Verbindungen es überflüssig und fast zudringlich erscheinen ließen, ihm Mittel und Wege zur Unterhaltung vorzuschlagen.
Und wenn Roberta auch nicht jener großen Welt angehörte, nach der er jetzt strebte, so hatte sie doch etwas an sich, was ihn maßlos anzog. Infolge seiner großen Einsamkeit und eines starken triebhaften und leidenschaftlichen Zuges in ihm, der sich j etzt deutlich fühlbar machte, konnte er Tag für Tag seine Augen nicht von ihr wenden noch sie die ihren von ihm. Ausweichende und doch drängende und fieberhafte Blicke gUtten von einem zum anderen, und nach jedem ihrer gelegentlichen raschen und verstohlenen Seitenblicke, die er gar nicht bemerken sollte, wurde ihm abwechselnd heiß und kalt. Ihr hübscher Mund, ihre herrlichen Augen, ihr strahlendes und dabei oft scheues und verlegenes Lächeln! Ach, und ihre schönen Arme, ihre niedliche, anmutige Gestalt mit den weichen ausdrucksvollen Bewegungen! Wenn er es nur wagen dürfte, freundlich zu ihr zu sein, sie anzusprechen und sie nachher irgendwo zu treffen - wenn sie nur wollte und er es nur wagte!