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GESCHICHTE DER STADT AMSTERDAM
Über die vorgeschichtliche und römische Zeit der Stadt Amsterdam ist uns praktisch nichts bekannt: wir miissen bis ins Mittelalter vorstofien, um den Namen dieser Stadt zum erstenmal offiziell in einem Dokument erwahnt zu finden. Dennoch gibt es mündliche Uberlieferungen über die Gründung der Stadt, die besagen, dafi zwei Fischer, die sich mit einem Hund in ihrem Boot befanden, von einem Unwetter überrascht wurden. Sie erlitten Schiff-bruch und errichteten eine Hütte in den Sümpfen, und zwar dort, wo der Flufi Amstel in die Zuider Zee mündet, auf einer Art Sandbank, Ij genannt. Dieses Gebiet alsó, wo sich spater auch die Ver-wandten dieser Fischer ansiedelten, wurde zum ersten Stadtkern von Amsterdam. Sie bauten ihre Stadt genau an der Mündung der Amstel, und errichteten hier einen Deich, einen «dam », um ihre Hauser vor den unruhigen Fluten des Flusses zu schützen: daher der Name der Stadt Amstelle-damme, was spater zu Amsterdam wurde. Mit ihrem altén Namen finden wir die Stadt zum erstenmal in einem Dokument vom 27. Október 1275 erwahnt; in diesem Dokument raumt ein Feudalherr, der Gráf Floris V. der Niederlande, der Gemeinde, den « homines manentes apud Am-stelledamme » Steuererlafi und freies Handelsrecht ein. Amstelledamme wuclis dann an den beiden Ufern der Amstel weiter, und so gewöhnte man sich schon seit frühester Zeit daran, auf dem Wasser zu leben und die eigenen Lebensbedingungen von diesem Wasser abhangig zu wissen. In den folgen-den Jahrhunderten verwandelten die glückliche geo-graphische Lage der Stadt und die harte Arbeit seiner Einwohner die einfache Fischersiedlung zu einem bedeutenden Handelszentrum - vor allém dank des immer bedeutender werdenden Hafens, von dem die Schiffe zu den Hafen der Ostsee und des Mittelmeeres ausliefen. Im frühen 17. Jahrhun-dert nahm diese Entwicklung aufierordentliche For-men an. Mit dem durch die Spanier bewirkten Fali der grófién Rivalin Antwerpen wurde Amsterdam praktisch zur « Herrin der Meere », und so begann fiir Holland das zu Recht so bezeichnete « Goldene Zeitalter ». Die den Verfolgungen der Inquisition entflohenen Hugenotten wurden in den Niederlanden gastfreundlich aufgenommen, konn-ten hier ihre philosophischen und politischen Werke veröffentlichen und ihre Religion frei ausüben; damit leisteten sie einen bedeutenden kulturellen
und ideologischen Beitrag zur weltbeherrschenden Rolle Amsterdams. Es war die Zeit des Grofihandels mit Thee, Kakaó, Tabak, Diamanten (in Amsterdam gab es die erfahrensten Diamantenschleifer), Kaffee, Gummi, Gewürzen. Es war die Zeit der Entstehung der grófién Handelsgesellschaften fűiden Verkehr mit Ost- und Westindien; und es war die Zeit, in der man die drei grófién, langen und konzentrischen Kanale aushob, an deren Ufern dann die prachtvollen Wohnhauser der Adelsfa-milien Hollands entstanden. In jener Zeit ist der Handelsherr Trager der Geschichte der Stadt: er war es, der lange Reihen von hohen schmalen Hausern erbauen liefi, da die Steuern auf Immobi-lien je nach der Breite, die die Gebaude einnahm, berechnet wurden. Die Rolle Amsterdams als Grofi-macht konnte jedoch nicht von langer Dauer sein. Das nahegelegene England, das sich emsig um die Vorherrschaft auf den Meeren bemiihte, ging schnell dazu über, leichtere und schnellere Schiffe zu bauen: wahrend seine - und gleichzeitig Frankreichs - Macht wuchs, wurde Amsterdam langsam in seiner Macht zurückgedrangt. Im Jahre 1795 wurde Holland von dem nahegelegenen revo-lutionáren Frankreich erobert, zusammen mit hol-landischen Patrioten wurde die Republik von Ba-tava gegründet, und der König, Wilhelm V. aus dem Hause Oranienburg, floh nach England. Die Zeit der Republik war kurz bemessen, da das Land im Jahre 1806 bereits unter die Herrschaft Napoleon Bonapartes fiel. Im Jahre 1813 war Amsterdam die erste Stadt in Holland, die sich gegen die französische Fremdherrschaft auflehnte, und die sich an die Spitze der Bewegung stellte, aus der spater ein unabhángiges Reich hervorgehen sollte. Die langen Jahre, in denen es Amsterdam und ganz Holland gelungen war, die Neutralitat zu wah-ren, wurden im Jahre 1940 ausgelöscht, als Hitlers Truppén in Holland einmarschierten. Fünf Jahre spater war Amsterdam wieder eine freie Stadt. Die Jahrhunderte der Vorherrschaft Amsterdams auf den Meeren habén Spuren hinterlassen, die nicht ausgelöscht werden konnten. Die Kanale, die Palaste, die Brücken, die schönen Hauser, die wir heute in der Altstadt von Amsterdam bewun-dern, entstanden in jenem berühmten Goldenen Zeitalter, im 17. Jahrhundert, und die Bewohner dieser Stadt waren klug genug, zu verhindern, das sie verloren gingen.