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'Der zukünftige Historiker, der es unternimmt, eine vorurteilslose Geschidite des Krieges zwischen den Nord- und den Sudstaaten zu schreiben, wird alle Einzelerscheinungen auf der Waage der Gerechtigkeit abzuwägen haben. Wenn die empörenden Verbrechen tatsächlich begangen worden sind, müssen die verantwortlichen Urheber festgestellt werden; ob sie dem Süden oder dem Horden angehörten dem Urteil der Geschidite werden sie nicht entrinnen.'R. RANDOLPH STEVENSON ehemaliger Militärarzt in der Konföclerierten ArmeeErstes KapitelVon Zeit zu Zeit überfiel Ira Claffey eine Unrast, die ihn zwang, von seiner Pflanzung wegzulaufen und in den Wald zu gehen. So audi an diesem Morgen des dreiundzwanzigsten Oktober um adit Uhr. Da hielt es ihn plötzlidi nidit mehr, er mußte auf und davon, über den Staketenzaun hinüber, der sein Süßkartoffelstüdc abgrenzte, und sdion stapfte er unter den Föhren dahin.Seit dem ersten Kriegsjahr hielt Ira Claffey keinen Aufseher mehr. Daher war er morgens zeitig aufgestanden, um seinen Leuten auf dem Kartoffelfeld Anweisungen zu geben. Für Haus, Feld und Wald konnte er gegenwärtig nur nodi über sieben und eine halbe Arbeitskraft verfügen, bei einer Negerbevölkerung von insgesamt zwölf Seelen; die andern vier lagen nodi in den Windeln oder hingen am Sdiürzenband der Mutter.Jem und Coffee stellte er zum Kartoffelhadcen an und vergewisserte sidi, daß sie keine Kartoffeln im Boden ließen und dabei so vorsiditig wie möglidi zu Werke gingen. Über nidits konnte sidi Ira so ärgern, als wenn er gute fünfunddreißig Sdieffel in eine Miete einlagerte und dann die Hälfte durdi vorzeitigen Verderb einbüßte.Auf die Art, dadite er, sind sdion beste Kräfte und Einriditungen verrottet. Die geringste Verletzung, eine kleine Unaditsamkeit - und Fäulnis setzt ein. Verwesung geht im Dunkeln heimlidi, aber rasdi vor sidi; dann öffnet man die Miete - man könnte audi sagen: den Senat - und entdedct das Malheur: ein großer Teil der ursprünglich guten Kartoffeln ist bereits angefault und stinkt; oder auch der Menschen, wenn man so will.Für sein eigenes Arbeitspensum heute trug Ira ein Okuliermesser am Gürtel. Die Nacht zuvor, als er im Bette lag und nachdachte, hatte ihn der Ehrgeiz gepadct: den Georg IV.-Pfirsidi auf eine rote Duane-Pflaume zu pfropfen.Veronika schlief noch nicht, sondern las neben ihm beim Kerzenlicht in ihrer Bibel. Er erzählte ihr von seinem Einfall.Aber Ira, wird Duanes Rote nicht viel zu früh reif? Das sind doch die Bäume hinter den Magnolien?Nicht doch, Liebes, da stehen die gelben Prinz-Reineclauden. Die rote Duane wird zur gleichen Zeit mit dem Georg IV. reif. Sagen wir mal, zweite Juliwoche. So um den zehnten etwa. Aber an der Haut liegt mir eben. An so einer schönen roten Backe auf dem Georg IV., möglichst gelb gesprenkelt und mit einem lila Schmelz drauf. Doch Veronika hörte gar nicht zu, sie weinte. Er drehte sich zu ihr um und sah sie eine Weile an. Dann seufzte er, streckte seine große Hand aus und legte sie sachte auf ihre didcen, graublonden Flechten, die schwer über die gefältelte Schulter des Nachthemds fielen. An wen dachte sie nun wieder, grübelte er dumpf. An Moses oder an Suther-land?Obwohl er sich nichts anmerken ließ, spürte sie doch sofort, was er dachte, und schluchzte: Suthy.Ach ja, sagte Ira, wodurch habe ich dich denn nur an ihn erinnert? Durch die gelben Reineclauden. Die mochte er so gern. Wie oft hat er von mir Hiebe gekriegt, weil er sie immer schon grün abriß und in seinem kleinen Wams verstedcte.Sie schluchzte noch eine kleine Weile vor sich hin; er starrte in die Dunkelheit hinter den Bettvorhängen und suchte krampfhaft Suthy zu vergessen. Suthy war sein Ältester. Sechzehntes Georgia-Regiment. Hoch oben im Norden war es passiert, bei einem Nest, von dem kein Mensdi je etwas gehört hatte. Gettysburg hieß der Ort. Die Erinnerung an diesen schmerzlichen Verlust mochte neuerdings vielleicht der unmittelbare Anlaß zu Iras Rastlosigkeit und seinen jähen Aufbrüchen sein. Doch oft genug flüditete er auch ohne erkennbaren Grund in den Wald, ohne daß Trauer oder Verwirrung ihn trieben. So war es ihm immer schon gegangen, solange er denken konnte. Mein Gott, wie hodi waren ihm doch die Föhren vorgekommen vor fünfundvierzig Jahren als er selber noch ein Dreikäsehoch war; über alles Maß hoch droben hatte er die Wipfel schwanken sehen, dreißigmal so hoch wie er selbst. Und viel wilder war der Wald noch vor fünfundvierzig Jahren drüben in Liberty, als Ira mit einer Holzflinte herumstreunte, die ihm Old Jehu zu Weihnaditen geschnitzt und bemalt hatte; ein richtiges Schloß war daran mit einem riditigen Feuerstein, und man konnte mit ihr knallen, daß es richtige Funken gab. Mit dieser Waffe hatte Ira ganze Regimenter Rotrödce in die Flucht geschlagen, an der Spitze einer Streitmacht kleiner Neger, deren General er war. Hei, da sein Engländer, Mastah Iry.