Bővebb ismertető
1. KAPITELStrahlend ging der Stern Angéliques am Hofe Ludwigs XIV. auf. Sie war kein Mädchen mehr, eine Frau in der reifenden Schönheit des frü hen Sommers, mit blaugrünen Augen, goldfarbenem Haar und dem gesunden, geschmeidigen Körper eines edlen Tiers. Aber eins vor allem machte den seltsamen Reiz ihres Wesens aus, dem so viele erlagen: daß um sie ein Geheimnis war, zu dem das Leuchten des Glücks ebenso ge= hörte wie der Schatten des Unheils. Doch sie hatte gesiegt, hatte das Schicksal überwunden, und nun, da sie in der Gunst des Königs stand, gab es niemand mehr, der über das Vergangene zu flüstern wagte Das Leben Angéliques de Saneé begann im Zeichen der Gespenster und der Schnapphähne. Ihre Amme, die derbe Fantine Lozier, hatte in ihren Adern ein wenig von jenem maurischen Blut, das die Araber am Ende des 10. Jahrhunderts bis an die Schwelle der Provinz Poitou tru= gen.Bei ihr hatte Angélique jene Milch der Leidenschaft und der Träume eingesogen, in der sich der alte Geist dieser Provinz konzentrierte, des Landes der Moore und Wälder, das wie ein Golf den lauen Meereswin den geöffnet ist.Durch Fantines Erzählungen angeregt, hatte sie sich eine eigene wirre Welt aus Dramen und Feenmärchen erschaffen. Diese Welt machte sie froh und seltsamerweise auch gefeit gegen das Gefühl der Angst. Sie betrachtete mitleidig ihre Schwestern, die zitternde kleine Madeion und die sich zierende ältere Hortense, die gleichwohl mit dem Entschluß kämpfte, die Amme zu fragen, was die Schnapphähne im Stroh der Scheune mit ihr getrieben hatten, wovon Fantine gelegentlich etwas durchblicken ließ. Angélique mit ihren acht Jahren ahnte sehr wohl, was in der Scheune vorgegangen war. Mit dem Hirtenjungen Nicolas hatte sie oft die Kuh zum Stier, die Ziege zum Bock geführt. Nicolas erklärte ihr, daß Männer und Frauen es genauso machten. Was aber Angélique verwirrte, war, daß die Amme, wenn sie über diese Dinge redete, ab wechselnd einen schmachtenden, ekstatischen oder aufrichtig entsetzten Ton annahm. Doch man mußte ja nicht unbedingt die Amme zu begrei= fen suchen, weder ihr Schweigen noch ihre Launen und Wutanfälle. Es genügte, daß sie da war, umfänglich und lebhaft mit ihren kräftigen Armen, mit dem Korb ihrer unter dem Kleid aus Barchent geöffneten Knie, und daß sie einen wie ein Vögelchen aufnahm, um ein Wiegenlied