Bővebb ismertető
Sie wählte das hellblaue Kleid. Es war ein Kleid aus fast weißem, schwerem Satin, doch wenn die Falten sich verschoben und der Stoff in schillernden Bahnen herabfiel, spielte darin ein blauer Widerschein, der jede Bewegung mit seinem schimmernden Glanz begleitete, und es schien, als blitzte darin auch ein Rosa auf, das so unmerklich war wie der anbrechende Morgen.An Bord der Gouldsboro, die an der Reede von Quebec vor Anker lag, sah Angélique aus dem Bullauge des Hinterkastells hinaus und überlegte, daß dieses Kleid ganz ausgezeichnet zu diesem eisigen, windstillen Morgen paßte, der sie draußen erwartete und der den spiegelglatten St.-Lorenz-Strom, der wie ein ruhiger See zu Füßen der Festungsmauer von Quebec entlangzog, in das gleiche perlmuttfarbene Licht tauchte.Auch die Stadt war rosa. Kein Laut drang von ihr bis hierher. Die stille, verträumte Kolonialstadt, die im Herzen der unerschlossenen Gebiete Kanadas lag, schien ihren Atem anzuhalten und abzuwarten.Angélique spürte, daß die Stadt hinter ihr sie belauerte, sie beobachtete, während sie im großen Salon der Gouldsboro vor ihrem Spiegel gerade dabei war, ihre Toilette zu beenden, bevor Monsieur de Frontenac, der Gouverneur Neufrankreichs, der hier in Amerika der Statthalter jenes Königs Ludwig XIV. war, dem sie einst rebellisch die Stirn geboten hatte, sie, Angélique de Saneé de Monteloup, Gräfin Peyrac, empfangen würde.Deshalb schnürte ihr auch eine gewisse Besorgnis die Kehle zu, obgleich sie sie zu unterdrücken versuchte und nach außen hin ihre ganze Aufmerksamkeit ihrer Toilette zu widmen schien. Ihre Züge bheben gelassen, ihre großen grünen Augen drückten nur die kritische Beobachtung aus, die sie ihrem Spiegelbild zollte.Um nichts in der Welt wollte die junge Frau vor denen, die sie umgaben und ihr beim Ankleiden halfen - ihren Dienerinnen, ihrem Schneider und Kouassi-Ba, dem baumlangen Neger, der ihre Truhe mit dem Schmuck trug -, die geringste Unruhe zeigen.Doch nun, da der Augenblick nahte, an dem sie an Land gehen sollte, dachte sie erneut an all die widrigen Umstände, die ihr Vorhaben als reinsten Aberwitz erscheinen ließen. Der König von Frankreich hatte sie einst verbannt, sie und ihren Mann, den Grafen de Peyrac. Lange Jahre hindurch hatten sie mit diesem Herrscher in Streit gelegen, der sie aus Neid und aus Furcht vor dem mächtigen Rivalen zu Unrecht verurteilt und verfolgt hatte.