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Erstes Kapitel
Angélique erwachte. Draußen war tiefe Nacht. Das sanfte Schaukeln des vor Anker liegenden Schiffes war das einzige, was sie zunächst spürte. Schwaches Mondlicht schimmerte durch die Fenster des Achterdecks. Die Konturen kostbarer Möbel hoben sich von dem dunklen Hintergrund des Salons der Gouldsboro ab, und das Gold auf den erlesenen Nippessachen glänzte.
Der Alkoven am Fuße des breiten, orientalischen Diwans, auf dem Angélique ausgestreckt lag, blieb im Dunkeln. Ein Gefühl, aus einem grenzenlosen Bedürfnis nach Liebe und Unruhe, ja sogar Angst vor einer unbekannten Bedrohung gemischt, hatte sie geweckt. Sie versuchte sich an den Traum zu erinnern, der in ihr diese Gefühle hervorgerufen hatte - Angst und Verlangen -, beides in einem solchen Maße, daß sie davon sogar aufgewacht war. Hatte sie geträumt, daß Joffrey sie in seine Arme nahm oder daß man versuchte, sie zu töten? Sie konnte sich an nichts mehr erinnern.
Die Erregung, die sie bis in ihre Brüste, bis in die Haarwurzeln spürte, ließ sie nahezu alles um sich herum vergessen. Doch im Hintergrund lauerte die Angst. Sie war ganz allein. Das war an sich nichts Ungewöhnliches. Die zerwühlten Kissen Ueßen noch die Gegenwart des Mannes ahnen, der während einiger Stunden dort gelegen hatte. Es kam häufig genug vor, daß Joffrey de Peyrac aufstand, um irgendwann im Laufe der Nacht einen Kontrollgang durch das Schiff zu machen.
Angélique setzte sich auf. Zum ersten Male, seit sie den St.-Lo-renz-Strom hinauffuhren, setzte sich in ihr ein Gedanke fest, der sie bis dahin nur flüchtig gestreift hatte: Sie befanden sich im Herrschaftsgebiet des Königs von Frankreich. Ihr Gemahl, ein einst zum Tode Verurteilter, dem Scheiterhaufen entflohen, sie, eine Verstoßene, auf deren Kopf ein ho-