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Erstes Kapitel
Es gibt Sekurtden, die unendlich scheinen, die ein ganzes Leben zu umfassen vermögen. Angelique hatte es eben erfahren. Joffrey schritt neben ihr den Uferpfad entlang, und sie hatte nach seiner Hand gegriffen, um ihre Gemeinsamkeit körperlich zu spüren. Und während sie seine Hand hielt und ihre vertraute Wärme fühlte, nur eine Sekunde lang, überschwemmte sie die Gewißheit, daß alles Frühere -die Zeit ihres ersten Glücks in Toulouse, die fünfzehn schmerzlichen Jahre der Trennung, das Wiederfinden auf fremdem Kontinent - nur ein Vorspiel gewesen war für etwas, das erst kommen würde, für die ganze Erfüllung ihrer Liebe. Sie begannen neu, wo andere in der Gewöhnung an ihre alltägliche Gemeinsamkeit längst gleichgültig geworden waren. Die harten Schicksalsschläge, die ihrer beider Leben aus der Bahn geschleudert hatten, hatten sich so für sie zum Guten gewendet. Joffreys Verhaftung in Saint-Jean-de-Luz, der vom König gelenkte Prozeß, seine Verurteilung zum Scheiterhaufen, die Jahre der Ungewißheit, in denen sie sich mühsam aus dem Schlamm der Pariser Unterwelt, aus gesellschaftlicher Ächtung hatte emporarbeiten müssen, die gefahrvolle Suche nach Joffrey an den Küsten des Mittelmeers, die Zeit im Harem Moulay Ismaels, ihre Niederlage im blutigen Aufstand des Poitou gegen Ludwig XIV. - all das waren Stadien einer Prüfung gewesen, die sie letztlich bestanden hatten. Sie hatten bestanden, und nun waren sie bereit - er in der Vollkraft seiner Jahre, sie in der gesteigerten Sensibilität und Fülle einer Frau, die Erfahrungen gesammelt und zu ihrem Gewinn verarbeitet hat -, die Belohnung zu empfangen, den Drohungen zum Trotz, die auch hier in der Neuen Welt ihre Schatten über sie zu werfen begannen. Sie sah, daß er ihr zulächelte, und ließ die Hand los, die sie gehalten hatte - nur eine Sekunde lang, eine kurze, unendliche Sekunde . . . Das dumpfe Geräusch einer Trommel erhob sich aus dem Wald. Gedämpft und rhythmisch rollte es durch die drückende Hitze über Bäumen und Fluß.