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1Das Schiff verfolgte leise rollend seinen Kurs. Außer dem gedämpften Rauschen des Meeres und dem Knarren der Masten unter dem Druck der geschwellten Segel war kaum ein Laut zu vernehmen. Durch das große Heckfenster drang der letzte Schein der hinter dem Horizont verschwundenen Sonne. Dort hinten, nun unsichtbar, aufgelöst im rosigen Abenddunst, verschlungen von den dunkelnden Wellen, lag das Land, aus dem Angélique geflohen war. Sie hatte in ihm den königlichen Glanz des Hofes und das grausige Elend der Unterwelt erfahren. Sie war bewundert und geliebt, angefeindet und tödlich gehaßt worden. Sie hatte gekämpft, mit den feingeschliffenen Waffen der Frau und den mitleidlosen des Mannes, hatte eine ganze Provinz in den Aufstand gegen den König geführt und war unterlegen. Nichts von ihren Träumen und Hoffnungen war ihr geblieben, nichts - oder vielleicht doch das eine: das Bewußtsein, immer so gehandelt zu haben, wie es ihr von ihrem Herzen eingegeben worden war, wie sie hatte handeln müssen. Nicht Schuld, Schicksal war es, das ihren Weg durch Not und Bedrängnis bis hierher, auf das Zuflucht gewährende Schiff geführt hatte.Das Gefühl, von einem unsichtbaren Blick beobachtet zu werden, brachte Angélique aus ihren Gedanken in die Wirklichkeit zurück.Auffahrend blickte sie um sich und suchte nach demjenigen, der sie in die mit orientalischem Luxus ausgestatteten Räume des Heckaufbaus hatte schaffen lassen. Sie war überzeugt, daß er da sein müsse, aber sie sah ihn nicht.Sie befand sich in demselben Salon, in dem sie der Rescator in der Nacht zuvor empfangen hatte. Die verwirrend schnelle Folge der Ereignisse, ihre dramatische Steigerung, der Friede, der sie nun umgab, und die Seltsamkeit ihrer neuen Umgebung verliehen dem Augenblick etwas Traumhaftes.Ohne die Gegenwart Honorines, die sich zu regen und wie ein Kätzchen zu dehnen begann, wäre sie sich ihres wachen Zustands nicht sicher gewesen.In der zunehmenden Dämmerung schimmerten die Vergoldungen der Möbel und aufgestellten Kostbarkeiten, deren Umrisse sie kaum mehr zu unterscheiden vermochte. Sie spürte den Duft jenes Parfüms, das sie nicht ohne Bewegung wiedererkannt hatte und das ihr untrennbar zur Person des Rescators zu gehören schien. Offenbar hatte er sich den Geschmack an Raffinessen aus dem Mittelmeer mitgebracht, wie er sich auch die Vorliebe für Kaffee, für Teppiche und Diwane mit seidigen Kissen bewahrt hatte.7