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W\e Ermitage in Leningrád verdient zu Recht den Namen einer der gröBten Schatzkammern der KunsI, die heute fast alle Kunstepochen aller Zeiten und Völker umfaBt. Die Sammlungen des Museums sind auch insofern bedeutend, als sie nicht nur überreich an der Zahl, sondern auch auBerst mannigfaltig sind, und sámtliche Spháren des Kunstschaffens bestens und umfangreich in den Ausstellungssálen und Reservebestánden veranschaulicht werden.
Als Gründungsjahr der Ermitage wird 1764 angesehen, als die erste groBe Sammlung von Gemálden westeuropáischer Meister beim Berliner Kaufmann Gotzkowsky erworben wurde. Ihr folgte eine ganze Reihe gröBerer Ankáufe, zu denen neben Gemálden auch zahlreiche Stiche, Zeichnungen, Plastiken, Münzsammlungen und Gemmen gehörten. Alle diese Kunstschatze fanden ihren Platz in den dafür speziell errichteten Gebáuden der sogenannten Kleinen und Altén Ermitage.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam in den Lándern Westeuropas die Tendenz auf, öffentliche Museen einzurichten. Dieser Umstand wirkte sich auch auf das Schicksal der Ermitage aus, die 1852 die Bezeichnung Öffentliches Museum erhielt und in dem eigens dafür geschaffenen Gebaude der Neuen Ermitage untergebracht wurde, wenngleich das kaiserliche Hofkontor noch lange Zeit den Besuch ihrer Sálé regelte und erst in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Zutritt für eine gröBere Besucherzahl ermöglicht wurde. Auf diese Weise verwandelte sich die Ermitage im Laufe der Zeit in eine museale Einrichtung, die im kulturellen Leben der Metropole nicht mehr wegzudenken war.
Ein wahres Eigentum des Volkes sollte die Ermitage allerdings erst nach der GroBen Sozialistischen Oktoberrevoiution werden. Eines der ersten Dekrete der Sowjetmacht war das Dekret über den Schutz von historischen und Kunstdenkmálern — »Von der Registrierung, Erfassung und dem Schutz von historischen und Kunstdenkmálern, die sich im Besitz von Privatpersonen, Gesellschaften und Behörden befinden« (1918). Die Museen wurden verstaatlicht und zahlreiche nationalisierte Sammlungen dem Bestand der Ermitage einverleibt, die als nunmehr gröBtes sowjetisches Museum und eines der bedeutendsten Museen der Welt Aufgaben gánzlich neuer Art zu lösen hatte. Zunáchst bot die Übergabe des Winterpalastes an die Ermitage die Möglichkeit, die Ausstellungsraume wesentlich auszubauen und bessere Lagermöglichkeiten für die laufenden Neuzugánge zu schaffen. Die Vereinigung der Gebaude vergröBerte auch die Zahl der Ausstellungssále von zweiundvierzig aus der Zeit vor der Revolution auf jetzt dreihundertfünfzig. Das hatte wiederum eine grundlegende Ánderung in der Anordnung der Exponate zur Folge, die auf einer komplexen Schaustellung des Materials nach geschichtlichen Perioden basierte. Die Ermitage hörte damit auf, vorwiegend Gemáldegalerie zu sein, und ihre Struktur erfuhr eine einschneidende Wandlung. Alte Abteilungen wurden reorganisiert, neue eingerichtet.
Eine der áltesten Abteilungen in der Ermitage ist die Abteilung der westeuropáischen Kunst. Sie vereint eine Gemáldegalerie, eine Sammlung an Skulpturen, Zeichnungen und Stichen sowie verschiedenartige Erzeugnisse der angewandten Kunst. Gleichzeitig mit der Eröffnung des Museums entstand die Abteilung Kunst der Antiké, die neben einer vorzüglichen Sammlung an antiken Skulpturen auch archáologische Denkmáler aus Italien und dem Nördlichen Schwarzmeergebiet, wie Keramik, Kleinplastik, verschiedene Erzeugnisse des Kunsthandwerks und der Juwelierkunst, enthált. Zu den Abteilungen, die sich erst in der sowjetíschen Periode herausbildeten, gehört in erster Linie die 1920 gegründete Abteilung Kulturgeschichte der Völker des Orients, die Altertümer Ágyptens,