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Von
H. AMBROSIUS, EVA-MARIA FRENZEL und H. FIEBIG
Sektion Biowissenschaften, Karl-Marx-Universität, Laboratorium iür Imniunbiologie, Leipzig, Deutsche Demokratische Republik
In den letzten Jahren hat die Zahl der Untersuchungen zur Struktur der Immunglobuline der niederen Wirbeltiere sprunghaft zugenommen. Das steigende Interesse für dieses Problem hat mehrere Ursachen. Einmal erhofft man sich aus der Aufklärung der phylogenetischen Entwicklung der Immunglobulinstruktur wichtige neue Erkenntnisse z.B. sowohl für die grosse Heterogenität der Antikörper der hochentwickelten Säugetiere als auch für die Funktion der einzelnen Isotypen. Zweitens dürften die sich oft funktionell anders verhaltenden Immunglobuline der niederen Wirbeltiere nach Aufklärung ihrer Struktur im Vergleich zu den Immunglobulinen der Säugetiere wichtige Einblicke in den molekularen Zusammenhang von Struktur und Funktion erlauben. Darüberhinaus besteht aber die Hoffnung, unter den niederen Wirbeltieren Versuchstiere zu finden, die ganz gezielt die experimentelle Beantwortung von Fragen erlauben, die bei Säugetieren nicht zu beantworten sind.
Unter den poikilothermen Wirbeltieren nehmen die Reptilien phylogenetisch zweifellos eine Schlüsselstellung ein. Sie werden nicht zu Unrecht als der ,,Drehpunkt" in der Evolution von den Fischen zu den Säugetieren bezeichnet. So sind sie die erste Wirbeltiergruppe, die sich weitgehend vom Wasser gelöst hat. Durch zahlreiche Fossilfunde der letzten Jahrzehnte und ihre eingehende Analyse ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass wir innerhalb der Reptilien den Ursprung der Entwicklungslinien einerseits zu den Säugetieren, andererseits zu den Vögeln zu suchen haben. Diese Tatsachen müssen natürlich auch im imnuinbiologischen Verhalten der Reptilien ihre Wiederspiegelung finden. So wie sie phylogenetisch zwischen den Amphibien und den Säugetieren stehen, so sollten sie auch hinsichtlich der immunologischen Reaktivität, hinsichtlich der Anzahl der ausgebildeten Immunglobulin-Isotypen und anderer immunologischer Merkmale eine gewisse Übergangsstellung zwischen den beiden anderen Wirbeltierklassen einnehmen. Wir führten daher mit mehreren Vertretern der relativ ursprünglichen Reptilienordnung der Schildkröten mehrjährige immunologische